Albany, William Bay und Peaceful Bay

17.12.12 – 22.12.12

 

Die südlichste Stadt, die wir in Australien besuchten, war Albany.

Hier fanden wir wieder mal einen Big 4 Campingplatz, der uns für zwei Nächte aufnahm. Vom Campingplatz aus spazierten wir am ersten Abend ins Stadtzentrum und erreichten dieses nach einem ca. 2 km langen Fußweg. Es ist ein kleines, schnuckeliges Städtchen und wir kamen an mehreren Buchläden vorbei, was uns die Stadt noch sympathischer machte, bevor wir an einem direkt am Wasser gelegenen Park ankamen.

Dort beschwerte Susi sich, dass wir bisher in Australien mit so wenigen Reisenden oder Einheimischen ins Gespräch gekommen seien. Denn auf den Campingplätzen, auf denen wir bisher verweilten, blieb jeder in oder in der direkten Umgebung seines Wohnwagens, sodass es hier selten zu Kontaktaufnahmen gekommen war. Auch waren mit uns meist ältere Menschen auf den Campingplätzen und nur sehr selten Leute in unserem Alter.

Als wir uns nun vom Park aus wieder auf dem Heimweg befanden, sprach uns plötzlich ein Ire an. Ihr werdet jetzt fragen woher wir direkt wussten, dass es ein Ire war… Nun er hatte sich ein Sixpack Guiness gekauft und unter seinen Arm geklemmt, sodass es für uns ganz einfach war auf seine Nationalität zu schließen. Zuerst erkundigte er sich woher wir kämen und lud uns direkt im Anschluss ein, mit ihm ins Backpackerhostel zu gehen (hier wohne er) und mit ihm ein Guiness zu trinken. Es war nicht ganz einfach ihn zu verstehen, was zum einen meines Ermessens an seiner Aussprache, zum anderen (und meines Erachtens größeren Teil) aber wohl daran lag, dass er schon STOCKBESOFFEN war und das Sixpack unter seinem Arm mit Sicherheit nicht das Erste war, welches er am heutigen Tag schon vernichtet hatte.

Im weiteren Gespräch erfuhren wir von ihm, dass er schon seit einem Jahr in Australien sei, schon in Perth gearbeitet hätte, ihm die Stadt aber zu teuer gewesen wäre und er deshalb jetzt in Albany in einer Lammschlachterei sein Geld verdiene. Auch hätte er Heimweh. Dieses könne er aber sehr gut mit einem guten Tropfen kühlen Guiness bekämpfen und deshalb hätte er sich das Sixpack unter seinem Arm zugelegt.

Wir lehnten sein Angebot mit ihm zu trinken dankend ab und verabschiedeten uns von ihm, da uns unsere Mägen mittlerweile deutlich zu verstehen gaben, dass sie mit fester Nahrung gefüllt werden wollten.

Wir schlenderten also weiter und nur wenige hundert Meter später wurden wir von einem älteren Ehepaar angesprochen, die sich darüber freuten andere Deutsche zu treffen. Wir erfuhren von ihnen, dass ihre Tochter mit einem Australier verheiratet sei, diese in Mandurah wohnten und sie zurzeit für sieben Wochen auf Besuch bei diesen seien. Auch teilten sie uns mit, dass sie über Silvester in der Luft seien werden.

Kurze Zeit später kamen dann auch noch die Tochter sowie der Schwiegersohn hinzu und wir gingen mit diesen beiden in die eine Richtung weiter, verabschiedeten uns von dem älteren Ehepaar, da diese die entgegengesetzte Richtung einschlugen. Von der Tochter erfuhren wir dann, dass sie uns bemitleidete, da wir uns mit ihren Eltern unterhalten mussten. Auch blicke sie den nächsten Wochen mit Schrecken entgegen, denn dann sei sie allein mit ihren Eltern in ihrem Haus, da ihr Mann wieder zum Arbeiten auf eine Insel nordwestlich von Perth fliegen müsse.

So, jetzt hatte Susi ihre Kommunikation… Hätte sie doch nur früher sich darüber beschwert, dass wir so wenige Leute kennenlernen würden…

Der übrige Rückweg zum Campingplatz verlief ohne weitere Bekanntschaften und Susi musste wieder mit mir als Gesprächspartner vorlieb nehmen.

Eigentlich hatten wir uns vorgenommen am nächsten Tag Fahrräder auszuleihen, um die übrigen Teile der Stadt zu erkunden, die wir am Vortag noch nicht gesehen hatten. Wir entschieden uns aber gegen das Ausleihen, da wir zum einen erst recht spät aufgestanden waren und zum anderen die Stadt nicht SOOOOO groß war, dass wir wirklich zum Erkunden einen fahrbaren Untersatz dafür benötigten.

Wir schlenderten also den uns schon bekannten Weg in die Stadt und begaben uns zuerst in einige Buchgeschäfte, um zu schauen, ob wir hier nicht ein Schnäppchen ergattern konnten. Das Schnäppchen war schlussendlich ein Sudokuheftchen für mich, da wir sonst keine weiteren für uns interessanten Bücher fanden.

Im Anschluss genossen wir einen Cappuccino (wir beide) sowie einen Blaubeermuffin (ich) in einem Café und betrachteten dabei die vorbeilaufenden Australier.

So gestärkt begaben wir uns auf den Aufstieg des einen Stadtberges. Wir hatten zwar keine Sauerstoffgeräte, Wanderstiefel und Winterausrüstung dabei, man muss aber auch sagen, dass diese bei einem „Berg“ mit einer Höhe von 156 m nicht unbedingt vonnöten sind…

Trotzdem war das Erklimmen des Berggipfels anstrengend genug, so dass wir uns im Anschluss ein zünftiges Essen mit Frikadellen und Kartoffel-Karottenpuffer redlich verdient hatten. Auch verbrachten wir den Rest des Tages mit Herumgammeln und Planen der nächsten Tage.

 

Bevor wir am nächsten Tag zur William Bay fuhren, statteten wir der Two Peoples Bay noch einen Besuch ab. Hier angekommen mussten wir feststellen, dass der Name wirklich Programm war, denn außer uns war keine Menschenseele an diesem Strand zu erblicken und auch der Parkplatz, auf dem wir unser Auto abstellten, war leer.

Mit blauem Himmel wäre die Bucht noch schöner gewesen und wir hätten dann wohl auch nicht unsere Fleecepullis benötigt. So war es aber doch recht windig und kalt und wir waren froh die Jacken dabei zu haben.

Als wir uns schon wieder auf den Weg zurück begeben wollten, kam doch noch ein weiteres Pärchen an den Strand und er wurde zu einer Four Peoples Bay. Auch sahen wir noch einen SUV von Audi (also en ganz dickes Auto…), der in unmittelbarer Nähe zum Strand anhielt. Die Insassen des Autos stiegen aber nicht etwa aus, um sich den Strand anzusehen, sondern blieben im Auto sitzen und beobachteten diesen von drinnen. Susi und ich sahen uns an, dachten beide das Gleiche und konnten über die Fahrgäste des Audis nur unseren Köpfe schütteln.

 

An der William Bay angekommen, suchten wir uns einen Stellplatz auf der hiesigen Campsite. Bei einer Campsite handelt es sich um einen Platz (an der Sonne) mit in der Natur verstreuten Stellplätzen für Autos und/ oder Zelte, der zwar über Toiletten und auch Duschen verfügen kann –nicht MUSS-, aber nicht weiter angelegt ist. Meist befinden sich diese einfachen Plätze in oder neben einem Nationalpark und deshalb wacht die Naturschutzbehörde darüber. Viele Sites haben einfach nur eine Spendenbox und man hofft auf die Ehrlichkeit der Gäste, den passenden Betrag einzuwerfen. Andere wiederum werden von freiwilligen Helfern betreut, die selbst dort campen.

Diese Campsite wurde von einem steinalten Ehepaar geleitet, welches in einer Hütte am Strand wohnt.

Wir suchten uns also einen Stellplatz aus, um die Nacht dort zu verbringen. Danach begaben wir uns auf einen Spaziergang entlang des Strandes. Nach dem Abendessen vertrieben  wir uns die Zeit mit Lesen und Worttüftel spielen, bevor wir uns unseren verdienten Schlaf gönnten.

Am folgenden Tag fuhren wir zur Peaceful Bay, um hier die nächsten zwei Nächte auf einem Campingplatz zu bleiben. Auf dem Weg hierhin besuchten wir noch die …, einen Strandabschnitt, der von Felsen „eingezäunt“ und somit wellenfrei ist. Hier kletterten wir zu einer Felsformation, die ihren Namen „elephant rocks“ aufgrund der Form ihrer Steine zu Recht trägt. Die Sonne brannte zu der Zeit vom Himmel, als ob sie alles verkokeln wollte, was keine Sonnencreme aufgetragen hatte. So entschieden wir uns nach einer kurzen Besichtigung –bevor wir völlig gar waren- weiter zu unserem Campingplatz zu reisen.

 

Am nächsten Morgen stiegen wir in aller Frühe aus den Federn und begaben uns in ein Naturschutzgebiet, welches uralte und als gewaltig zu bezeichnende Bäume beherbergt (der Umfang einiger Bäume misst bis zu 25 m). Der Name ist hier also Programm: Giant Valley. Hier gibt es einen Weg, der über Metallbrücken zu den Spitzen der Bäume führt. Dieser Weg wird „tree top walk“ genannt und die größte Höhe, zu der man aufsteigt, liegt bei 40 m. Der Aufstieg war ein beeindruckendes Erlebnis und bedurfte auch einer großen Überwindung meinerseits, denn ich bin nicht schwindelfrei. Ich bekomme selbst jetzt noch beim Schreiben dieser Zeilen schwitzige Hände. Um diesem Erlebnis noch die Krone aufzusetzen, gingen wir diesen Weg gleich Zweimal ab (beim zweiten Mal ging es mir im Übrigen nicht besser als beim ersten Mal).

Im Anschluss begaben wir uns noch auf eine geführte Tour (diesmal zu meiner Erleichterung am Boden) und ließen uns von einer sehr netten, älteren Dame noch die Geschichte dieses Waldes mit seinen Besonderheiten erklären. Diese Tour war sehr aufschlussreich.

Den Rest des Tages verbrachten wir nach einem kurzen Abstecher nach Walpole (zum Einkaufen) am Strand unseres Campingplatzes.

Nach dem Abendessen entschieden wir uns noch für einen kurzen Spaziergang. Es war bereits dunkel und wir schlenderten an einer wenig befahrenen Straße vorbei, als Susi plötzlich stehen blieb und sagte, sie habe gerade ein Känguru über die Straße springen sehen. Auch meinte sie, dass an der nächsten Kreuzung, die etwa 50 m vor uns lag, am Straßenrand einen Schatten sitze, der dem eines Kängurus entsprechen könnte. Ich wusste erst nicht, was sie meinte, doch dann bewegte sich dieser Schatten und wir überlegten, ob es ein Mensch sein könnte, der dort sitze oder doch ein Känguru. Für einen Menschen war der Schatten allerdings zu groß. Nachdem wir näher herankamen wurde es zur Gewissheit, dass es sich hierbei wirklich um ein Känguru (und ein recht großes seiner Rasse) handelte, denn es sprang, bevor wir es erreichen konnten (wollten wir es eigentlich noch näher in Augenschein nehmen?!) über die Straße und verschwand im Unterholz.

Dieses Erlebnis rundete den schon so sehr ertragreichen Tag ab.

 

Zum Fotoalbum Albany, William Bay und Peaceful Bay. 

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