Motorradtour von Phnom Penh nach Siem Reap

20.10.12 – 22.10.12

 

Vorab gilt hier ein dickes Dankeschön an meine Onkel Alfred und Jürgen, sowie meine Tante Gitti zu platzieren, die mit einer finanziellen Spritze Susi und mir diese Tour ermöglichten.

Als weiteres sollte vorher nicht unerwähnt bleiben, dass wir die Tour ohne kleinere oder größere Blessuren überstanden haben.

 

Am Morgen des 20.10. standen wir um 8 Uhr auf der Matte des Motorradverleihs „Dancing Roads“ und harrten der Dinge, die uns die nächsten Tage erwarteten. Wir hatten unsere kleinen Rucksäcke mit den für die Tage nötigen Dingen bestückt und alles andere in unsere Wanderrucksäcke gepackt. Diese sollten per Bus nach Siem Reap nachgeschickt werden.

So befanden sich in meinem Rucksack auch mein Netbook sowie meine Spiegelreflexkamera neben Kleidung und Waschutensilien. Susi hatte in ihrem Rucksack ihre Kleidung, sowie einen Teil meiner Kleidung, Waschbeutel und unsere Flipflops gepackt.

Unsere Motorräder standen schon bereit und nachdem wir uns in Schale geschmissen hatten, hier gab es für uns Kleidung, dicke Motorradstiefel sowie Handschuhe, Protektoren und die Helme, konnte das Abenteuer auch schon beginnen.

Zuerst quälten wir uns durch den frühmorgendlichen Verkehr von Phnom Penh. Hier wurde rechts oder links der übrigen Verkehrsteilnehmer überholt, je nachdem wo sich eine Lücke bot. Nach ca. einer halben Stunde des Quälens durch das hohe Verkehrsaufkommen fuhren wir aus der Stadt heraus und bogen von der asphaltierten Hauptstraße auf eine Nebenstraße.

Hier muss ich erstmal ein paar Worte über die hier herrschenden Straßenverhältnisse verlieren.

Prinzipiell gibt es zwei Arten von Straßen.

Erstens: asphaltierte Straßen, die in großen Ortschaften als Hauptverkehrsstraße dienen und die größeren Orte des Landes miteinander verbinden.

Zweitens: die sogenannten „roten Pisten“, die zur Verbindung der übrigen, kleineren Ortschaften benutzt werden. Bei diesen „roten Pisten“ kann man im Wesentlichen drei Qualitäten unterscheiden.

Es gibt die sehr guten, die (fast) keine Löcher besitzen.

Dann die relativ guten, die mehrere Löcher und Spurrinnen besitzen, sodass man immer mindestens ein Auge auf der Straße haben sollte, sofern man nicht unvorbereitet durchgeschüttelt werden will.

Zu guter Letzt gibt es dann noch die GROTTENSCHLECHTEN, die aufgrund der Regenzeit oder außerhalb der Regenzeit durch starken Regen aufgeweicht und durch massiv überladene Lastkraftwagen dermaßen malträtiert wurden, dass sich in diesen Schlaglöcher befinden, die man sonst nur beim Ausbaggern auf einer Baustelle vorfindet. Hier sollte man IMMER BEIDE Augen auf der Straße haben, sonst kommt es unweigerlich zu einem Sturz.

Es sei noch erwähnt, dass es das erste Mal für Susi und mich war, dass wir Offroad unterwegs waren, was wir unserem Guide natürlich vor unserer Abreise nicht verheimlicht hatten, damit dieser eine „passende“ Strecke für unsere Reise herausarbeiten konnte.

So, wir bogen also von der asphaltieren Straße ab und befanden uns auf der ersten, sehr guten roten Piste. Das Fahren machte sehr viel Spaß und ich dachte bei mir, warum habe ich das nicht vorher schon mal ausprobiert?!

Nach ca. 1 ½ Stunden Fahrzeit pausierten wir das erste Mal und amüsierten uns über den ganzen Dreck, der sich auf unseren Gesichtern wiederfand.

Hiernach folgte nach weinigen Kilometern die erste kleinere Prüfung, da sich der Schwierigkeitsgrad erhöhte und wir auf eine Piste der zweiten Qualität wechselten. Aber vorsichtig wie wir sind (der Guide hat sich bestimmt gedacht, was für ein Pech er doch habe, so ein Schneckentempo fahrende Touris durch „sein“ Land begleiten zu müssen), haben wir auch diese Übung hervorragend gemeistert. Im weiteren Verlauf des ersten Tages kamen auch noch ein paar Abschnitte, die unsere gesamte Konzentration erforderten, wollten wir uns nicht NEBEN oder gar UNTER unseren Motorrädern wieder finden.

Nach ca. 130 km kamen wir kaputt aber überglücklich in unserem ersten Hotel an und gingen erschöpft nach einem Abendessen und anschließendem Spaziergang um 19 Uhr auf unser Zimmer und lagen um 20 Uhr in den Federn. Das Hotel kam uns wie ein Schloß vor, denn bisher hatten wir nur in Hotels genächtigt, die um einiges kleiner waren. Auch hatte dieses Zimmer einen Balkon, auf dem wir unsere Kleidung sowie die Schuhe auslüften lassen konnten (und das war auch verdammt noch mal nötig…).

Am nächsten Morgen sollte uns die erste negative Überraschung erwarten. Und zwar wurden wir um einige Dollar sowie Euro erleichtert. Es ereignete sich während wir zum Frühstück auf dem Markt waren (das Zimmer hatten wir abgeschlossen und den Schlüssel –wie immer- an der Rezeption abgegeben). Als wir gestärkt und frohen Mutes zurückkamen, fanden wir Susis Portemonnaie eröffnet sowie bis auf 20 € gelehrt vor. Die Tatsache, dass jemand an Susis Geldbörse sich zu schaffen gemacht hatte, fiel Susi direkt beim Hereinkommen auf, da neben ihrem Rucksack ein 20€ Schein lag, den sie dort nicht hingelegt hatte.

Wir sagten unserem Guide direkt bescheid, der sich auch umgehend jemandem vom Hotel schnappte und ihm den Umstand erklärte. Der Angestellte schien sich aber hierfür nicht im Mindesten zu interessieren und schaute uns nur ganz gleichgültig an. Auch an der Rezeption sagte man uns nur, dass sie auch nicht wüssten, wer unser Geld entwendet hätte, dass der Schlüssel, den wir abgegeben hatten, sich nicht von der Stelle bewegt habe und es ihnen leid täte, sie aber auch nichts weiter unternehmen könnten…

Wir ärgerten uns noch ziemlich über unseren Verlust. Jedoch hatten wir im Großen und Ganzen noch Glück im Unglück, denn auch mein Netbook und meine externe Festplatte (mit all unseren Fotos) sowie meine schöne (und teuere) Spiegelreflexkamera waren in dem Zimmer und sind nicht gestohlen worden. Auch lag Susis Reisepass noch an Ort und Stelle (über den Aufwand, den wir hätten betreiben müssen, um einen neuen Reisepass sowie die Visa zu bekommen, möchte ich gar nicht denken).

Nach diesem Schock schwangen wir uns dann wieder auf unsere Bikes und ließen die letzten Minuten und das Hotel hinter uns.

Beim Aufsitzen und Losfahren stellten wir dann fest, welche Muskelgruppen wir am Vortag hauptsächlich belastet hatten, die wir sonst eher nicht benutzten. Diese meldeten sich nämlich mit Muskelkater. Aus diesem Grund sowie aufgrund der Tatsache, dass die Strecke des zweiten Tages länger und auch anspruchsvoller war, wurde dieser Tag anstrengender als der vorherige. Nichtsdestotrotz war der Tag ebenfalls super und das Fahren machte weiterhin sehr viel Spaß.

Auf den besseren Streckenabschnitten hatte man auch die Möglichkeit, die Umgebung in Augenschein zu nehmen und sich über das weite, grüne Land zu freuen. Dadurch, dass nicht so viele Ausländer mit Enduromaschinen durch diese Landstriche fahren, waren wir die Attraktion schlechthin und wo immer Kinder zusammenstanden, winkten und grölten sie uns entgegen und wir winkten artig zurück (zugegeben, ab und zu habe ich auch zurückgegrölt…).

Im Laufe des Nachmittags mussten wir dann noch eine Zwangpause einlegen, da das Hinterrad von Chea (unserem Guide) an Luft verloren hatte und er nur noch auf der Felge fuhr. Schnell hatte sich um uns herum eine Menschentraube gebildet. Die Männer kamen um gute Ratschläge zu geben und die Kinder, um uns anzustarren und –himmeln. Chea fand es nach eine gewissen Zeit sehr anstrengend und hätte die Meute am liebsten zum Teufel gejagt. Zum Glück hatte er einen Ersatzschlauch dabei und zusätzlich eine Handluftpumpe, mit der er den Reifen dann wieder aufpumpte.

Ja, ihr habt richtig gelesen, der Reifen wurde per Hand und Muskelkraft wieder aufgepumpt, denn die nächste Tankstelle war nicht in einer erreichbaren Nähe…

Ansonsten verlief der Rest des Tages recht unspektakulär und wir verabschiedeten uns am Abend wieder recht früh, um Kraft für den nächsten Tag zu schöpfen.

Der nächste Fahrtag war vor allem für Susi sehr anstrengend, denn sie hatte den meisten Muskelkater in ihren Unteramen und bei jeder noch so kleinen Bodenwelle befürchtete sie, den Lenker nicht mehr halten zu können und unfreiwillig vom Motorrad absteigen zu müssen. Eigentlich war die Tour auf vier Tage angesetzt.

Nachdem Susi mir allerdings sagte, dass es mit ihren Unterarmen so schlimm sei, entschieden wir zusammen die Fahrt um einen Tag zu verkürzen. Unser Guide war auch damit einverstanden und nach kurzer Rücksprache mit dem Besitzer des Motorradunternehmens wurden uns die Kosten des vierten Tages erlassen.

Relativ zu Beginn des somit letzten Motorradtages besuchten wir einen Tempel in mitten des Waldes und hatten dort einen sehr netten, freiwillig arbeitenden Guide, der uns einiges über die Tempelanlage erzählte und uns über die selbige führte.

Die Anlage war äußerst beeindruckend, da auch dort die  Natur, bzw. der Urwald, sich seinen Teil zurückerobert hatte. Ein riesiges Extra-Plus war die Einsamkeit, denn es waren maximal noch 10 weitere Touristen auf dem gesamten Komplex unterwegs (der ein paar Quadratkilometer groß war).

In den Motorradklamotten kamen wir recht schnell ins Schwitzen (ja, auch Susi kann schwitzen…) und somit waren wir froh, als es dann endlich wieder weiterging und wir den Fahrtwind spürten.

Natürlich hatten wir auch an diesem letzten Tag noch einige grottenschlechte Abschnitte zu meistern. Und da wir alle Murphy´s Gesetz kennen, ergab es sich, dass vor allem auf diesen Teilabschnitten der größte Verkehr herrschte, was das Fahren nicht einfacher gestaltete.

Wie aber schon am Anfang erwähnt, haben wir nie unfreiwillig unsere Motorräder verlassen müssen und sind am Ende ausgepumpt, aber glücklich in Siem Reap angekommen.

 

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