Phnom Penh

Der König ist tot, es lebe der König

17.10. – 20.10.12

 

Wie wir während der Fahrt mit dem Schnellboot erfuhren, ist der kambodschanische König drei Tage vor unserer Einreise im Alter von 89 Jahren in China verstorben. Er wurde am Tag unserer Einreise eingeflogen und am Abend in einem Trauerzug durch die Stadt gefahren.

Es war ein riesiges Spektakel, da der König bei seinem Volk sehr beliebt war. Wir erfuhren von dem Trauerzug allerdings erst, nachdem wir uns die Tempelanlage Wat Phnom angesehen hatten und freuten, dass so wenige Menschen mit uns zusammen diese Anlage ansahen (klar, sie waren ja alle bei der Trauerfeier).

Als wir uns im Anschluss an die Besichtigung am Fuße der Anlage auf einer Bank ausruhten, pilgerten Menschenmassen mit schwarzer Hose und weißem Hemd (die Mönche in orange) an uns vorbei. Kurz entschlossen, nachdem schon einige Männer und Frauen uns ansahen und zurücklächelten, fragten wir einen Passanten, wohin er ginge. Er erzählte uns, dass er auf dem Heimweg sei und dass er mit den übrigen Kambodschanern dem verstorbenen König das letzte Geleit gegeben hätte. Es war schon ein Spektakel diese Menschenmasse zu sehen.

Als wir uns dann auf den Weg Richtung Königspalast begaben, mussten wir gegen den Menschenstrom ankämpfen, jedoch teilte sich immer wieder die Masse, um uns durchzulassen. Auch vor dem Palast, der mit tausenden Lichtern erleuchtet war, verweilten noch viele Menschen.

Am folgenden Tag begaben wir uns, nach einem kleinen Frühstück (ich hatte Müsli mit Früchten und Joghurt, Susi aß ein Omelett mit Baguette und Marmelade) begaben wir uns zum Russenmarkt. Zuerst wollten wir die Strecke zu Fuß hinter uns bringen, jedoch entschieden wir uns, zum Glück, kurzerhand für ein Tuk Tuk. Wir benötigten mit der Motorikscha eine knappe halbe Stunde. Man kann sich also vorstellen, wie lange es gedauert hätte, wenn wir die Strecke wirklich zu Fuß hätten zurücklegen müssen. Auch ist das Laufen bei gefühlten 38°C nicht unbedingt als angenehm zu bezeichnen. Da rinnt einem schon der Schweiß in Strömen den Buckel runter.

Am Russenmarkt angekommen, stürzten wir uns auch schon ins Gewühl und ackerten Reihe um Reihe ab. Hier wurden T-Shirts, Hosen, Schuhe, aber auch Obst, Gemüse, Fleisch und Fisch angeboten. Ferner gab es etliche Verkaufsstände an denen man Reifen sowie Schraubenschlüssel oder andere nützliche, wenn auch schon älter und benutzt aussehende Werkzeuge erstehen konnte. An diesem Tag kauften wir aber (noch) nichts.

Nach dem Besuch auf dem Markt brachte uns unser Tuk Tuk-Fahrer (er wartete an der Stelle auf uns, an der er uns auch abgesetzt hatte) zu der nächsten von uns angegebenen Adresse. Hierbei handelte es sich um eine Motorradvermietung, die auch geführte Touren in Kambodscha anbietet. Wir hatten uns nämlich überlegt, den Weg nach Siem Reap nicht wie geplant mit dem Bus zu überbrücken, sondern auf motorisierte, zweirädrige Art und Weise zu meistern.

Glücklicherweise hatte ich ja - mit finanzieller Unterstützung meiner beiden Onkel Alfred und Jürgen, sowie meiner Tante Gitti- vor gut zwei Jahren meinen Motorradführerschein erworben. Diesen Laden zu finden war nicht ganz so einfach, da wir zwar die Adresse aus dem Internet wussten, an der selbigen angekommen aber nur ein verschlossenes und ohne Schild (welches auf das Vorhandensein einer Motorradvermietung hätte hinweisen können) versehenes Tor vorfanden.

Zum Glück konnte uns aber ein Nachbar erklären, dass die Motorradvermietung wirklich hier zu finden sei und nach kurzem Klingeln (wir wollten erst auf die Klingel des Nachbarn selbst drücken…) bellten uns zuerst gefährlich klingende Hunde an, bevor ein junger Mann das Tor von innen öffnete und sich um uns und unsere Belange kümmerte. Das Kümmern gestaltete sich in der Weise, dass er seinen Chef anrief und das Handy an Susi weiterreichte, die mit dem Besitzer ein Treffen am selben Abend in unserem Hotel vereinbarte.

Hiernach ließen wir uns zu einem weiteren Motorradshop bringen. In diesem Shop erklärte uns ein vor etlichen Jahren aus Frankreich eingewanderter und (wie mir Susi später erzählte) bekannter Offroadfahrer (was Susi alles weiß…), dass die Strecke sehr langweilig sei und er uns nicht dazu raten würde. Er würde uns eher eine Tour - beginnend von Phnom Penh- in den Süden empfehlen (dieses hätte aber unsere Zeitplanung soweit gesprengt, dass wir davon recht schnell Abstand nahmen). So zogen wir unverrichteter Dinge wieder von Dannen.

Unser nächstes Ziel, ab dem wir dann per Pedes weiter zogen, war das Unabhängigkeitsdenkmal. Dieses ist allerdings nur ein wenig spektakuläres Denkmal, welches mitten auf einem Verkehrskreisel steht. Es bietet nicht viel mehr, als es zu fotografieren.

Von hier schlugen wir uns dann – wie oben schon erwähnt- zu Fuß durch die Stadt. An jeder Ecke, und auch auf jeder geraden Strecke, findet man übrigens dutzende Tuk Tuk-Fahrer, die nicht müde werden, jeden oder jede anzusprechen mit den Worten „you need a Tuk Tuk?“. Irgendwann hat man keine Lust mehr jedes Mal dankend zu verneinen und ignoriert sie einfach (was übrigens die beste Lösung ist, um nicht weiter mit den Fahrern zu diskutieren, warum man gerade im Moment, sowie am nächsten Tag oder auch das nächste Jahr oder sein restliches Leben KEINEN Tuk Tuk-Fahrer benötigt).

Unser nächstes Ziel war der Zentralmarkt. Unmittelbar vor diesem befindet sich übrigens noch eine Einkaufsmall, in der wir uns erstmal ein Eis (natürlich verpackt, da wir keine Lust auf Durchfall hatten) gönnten.

(Beim Betreten dieses Zentrums wird man im Übrigen per Bild darauf hingewiesen, dass man nicht rauchen, diese nicht mit Inlinern betreten, nicht fotografieren, keine Hunde und man höre und staune, keine Handgranaten mitnehmen darf – siehe Bilder Phnom Penh. Zum Glück hatte ich mein Handgranatenset just vor dem Stadtbummel aus meinem Rucksack entfernt und nur noch meine Kalaschnikow und meine Uzi zwecks Selbstverteidigung bei einem möglichen Überfall in demselbigen…).

Das Eis hat uns beiden - nebenbei erwähnt- sehr gut geschmeckt (sodass wir am nächsten Tag nochmal vorbeikamen, um uns eins zu gönnen). Allerdings merkte man schon beim Anfassen des noch eingepackten Eises und beim Auspacken wurde es dann zur Gewissheit, dass das Eis mindestens einmal schon aufgetaut und wieder eingefroren war.

Die Temperatur des klimatisierten Einkaufszentrums bewegte sich gefühlt übrigens in etwa auf Eisfachtemperatur (das gute Drei***Fach), so dass wir, als wir diese Mall wieder verließen, uns erstmal so fühlten, als ob wir gegen eine Wand gelaufen wären. (Es hätte den gleichen Effekt gehabt, wenn wir beim Herausgehen die Glastüren NICHT geöffnet hätten…).

Der Zentralmarkt verfügt zur Kühlung über Ventilatoren und nicht – wie man vermuten könnte- über Klimaanlagen, so dass man hier fast genauso weiterschwitzen kann wie auf der Straße.

Auf diesem Markt war ich dann mal an der Reihe, etwas erhandeln zu können. Und zwar hatte mein, kurz vor der Reise bei Tchibo käuflich erworbener Langhaarschneider, bei der zweiten Benutzung den Geist aufgegeben. So sah ich mich gezwungen, wenn ich nicht nach geraumer Zeit aussehen wollte wie ein Waldschrat und dem mich zum Wahnsinn treibenden Juckreiz zuvorzukommen, mir hier einen Ersatz zu besorgen.

Durch meine Trainerin Susi war ich ja schon in die Geheimnisse des Handelns eingeführt worden und hatte schon des Öfteren mit ansehen und –hören können, wie man dieses angehen sollte. Hierdurch angefeuert, versuchte ich die Händler soweit zu treiben, dass sie mir ihre Geräte anvertrauten und MIR zusätzlich auch noch Geld anzubieten, wenn ich mich für Ihr Gerät entschied. Leider klappte es nicht ganz nach meiner Vorstellung (auch glaube ich, dass es eine Preisabsprache zwischen den Händlern gab – ich wollte auch schon dem Kartellamt einen anonymen Tipp zukommen lassen) und ich einigte mich mit einem Händler auf 7 $.

Der Langhaarschneider ist im Übrigen schon Dreimal zum Einsatz gekommen und er funktioniert immer noch (also hat er schon mal länger gehalten als der von Tchibo…).

Nach dieser Strapaze entschieden wir uns in der Nähe des Bahnhofs in einem von unserem Stadtführer günstig und sehr gut angepriesenen Café, einen Tee/Kaffee und ein Stückchen Kuchen zu uns zu nehmen. Leider gestaltete sich der Weg dorthin als schwieriger und vor allem länger, als es auf dem Stadtplan des Reiseführers den Anschein hatte.

Wir fanden zwar schlussendlich das Schild des Sunflower Cafés, allerdings verbarg sich dahinter nur mehr ein Wohnhaus, ohne dass uns dort Kaffee oder Kuchen angeboten worden wäre. Das Café hatte bereits vor über einem Jahr seine Tore geschlossen.

Da wir bei tropischen Temperaturen zu platt waren, entschieden wir uns von dort aus ein Tuk Tuk zurück in die Innenstadt zu nehmen. Geschickt verhandelt, drückten wir den Preis des Fahrers auch soweit, dass wir uns von ihm ins Stadtzentrum zu einem weiteren Café bringen lassen wollten. Dabei hatten wir aber nicht mit der Gerissenheit des jugendlichen Tuk Tuk-Chauffeurs gerechnet.

Dieser fuhr die kürzeste Strecke (ca. die Hälfte der Strecke, die er uns eigentlich bringen sollte) und ließ uns am Palast des Königs mit den Worten „hier könne er nicht weiterfahren“ heraus. Er hatte zwar insofern recht mit seiner Aussage, da die Straße, an der er uns absetzte, tatsächlich gesperrt war, allerdings hätte er uns – verbunden mit einem Umweg seinerseits- über einen anderen Weg an unser Ziel bringen können. So nett wie wir aber sind, haben wir dann jedoch das Tuk Tuk verlassen und sind den Rest der Strecke zum (zum Glück noch vorhandenen und offenen) Café gelaufen. Hier hatten wir uns unseren Kaffee, sowie unseren Muffin und Schokokuchen redlich verdient.

Wieder in unserem Hotel angekommen, erstanden wir  zwei Bustickets nach Siem Reap. Wir hatten uns für den Bus entschieden aufgrund der Tatsache, dass der Franzose aus dem Motorradverleih uns von einer Motorradtour für diese Strecke abgeraten hatte. Mit diesen Tickets in der Tasche trafen wir uns wenige Minuten später mit dem Besitzer und dessen Frau (einer Engländerin) des Motorradverleihs, vor dessen Toren wir am Vormittag gestanden hatten und mit dem Susi dieses Treffen vereinbart hatte.

Relativ zu Anfang unseres Gesprächs teilten wir den beiden mit, dass uns der Franzose des Konkurrenzunternehmens von einer Reise nach Siem Reap per Moped abgeraten hätte. Pengh und Sonia (so hießen die beiden) wunderten sich darüber, dass wir solche Informationen erhalten hätten und überzeugten uns im Verlaufe des Gesprächs zu einer Buchung bei ihrem Unternehmen. Sie meinten, dass es sehr viel Spaß bereiten würde, weil wir ja nicht die gesamte Strecke über die (einzige) asphaltierte Straße nach Siem Reap, sondern in vier Etappen zumeist über Nebenstraßen, jeder mit seiner eigenen Maschine, fahren würden.

Jetzt bestand das einzige Problem darin, dass wir, wie oben schon erwähnt, die Tickets für den Bus schon gekauft hatten. Die Besitzerin unseres Etablissements (eine wirkliche Schreckschraube) war nicht gewillt, die Tickets zurückzunehmen. Sie rief zusätzlich bei dem Untenehmen an um die Transaktion rückgängig zu machen, teilte uns aber mit, dass dies nicht möglich sei, da das Unternehmen nicht mehr erreichbar wäre.

So versuchte Susi, klopfenderweise, an jedem Zimmer des Hotels die Fahrkarten an den Mann bzw. die Frau zu bringen. Dies gestaltete sich schwieriger als gedacht. Schlussendlich fanden wir aber zwei Deutsche, die kurz vorher angekommen waren, die sich bereiterklärten die Tickets zu übernehmen. Dieses teilten wir dann unverzüglich der für ihr Gewicht zu klein geratenen Dame hinter der Rezeption mit, die dann –oh Wunder- doch noch jemandem bei dem Busunternehmen erreichte, um die Tickets zeitlich neu zu terminieren. So waren alle glücklich und es stand nichts mehr unserer Reise mittels fahrbarem, zweirädrigem Untersatz im Wege.

Am folgenden Tag ließen wir uns von dem Tuk Tuk-Fahrer, der uns auch schon am Vortag kutschiert hatte, zuerst zum wiederholten Male zum Russenmarkt bringen. An diesem Markt angekommen, gönnten wir uns zuerst ein komfortables Frühstück in einem Café, welches zwar teuerer war als andere Frühstücksgelegenheiten, dafür unterstützte dieses Café Frauen in Not mit einer Ausbildung in der Gastronomie. Somit hatten wir auch noch etwas für einen guten Zweck getan, indem wir hier unseren Kaffee schlürften und unsere Pfannkuchen und eine Obstschale verköstigten.

So gestärkt ging es auf den Russenmarkt, um für Susi ein neues T-Shirt zu erwerben. Nach längerem Suchen (inklusive Anprobe) und Preisvergleichens hatten wir dann auch ein schwarzes Shirt von H&M (ob original oder gefälscht lässt sich nicht verlässlich nachprüfen) gefunden. Nach zähem Verhandeln einigten wir uns am Ende mit der Verkäuferin und Susi war um ein hübsches T-Shirt reicher.

Hiernach ließen wir uns wiederum zu dem Motorradladen bringen, um zum einen Kleidung anzuprobieren und zum anderen die Motorräder Probe zu sitzen. Wie die/der ein oder andere weiß, sind Susis Beine relativ kurz, so dass es sich als nicht ganz so einfach erwies, eine geeignete Maschine zu finden bei der Susi mit den Beinen auf die Erde kommt. So fiel die Entscheidung am Ende auf eine Enduro, die weder Nummernschild noch Licht (inklusive Bremslicht), noch Blinker, Hupe (besonders wichtig!!!) oder Schlüssel (man musste allein einen Zündungsknopf eindrücken, um das Moped starten zu können) besaß.

Da uns aber versichert wurde, dass das alles kein Problem sei (das Bremslicht funktionierte bei unserem Guide beispielsweise auch nicht), vertrauten wir richtigerweise auf diese Worte. Auch bekamen wir richtige Endurohelme (mit Sonnenschutz und Endurobrille), wobei diese schon die besten Zeiten hinter sich hatten. Allerdings waren sie immer noch besser und vermittelten uns ein sicheres Gefühl, als die Nussschalen, die unsere Köpfe bei der Tour in Hue schützten.

So vorbereitet waren wir guter Dinge und freuten uns auf die am folgenden Tag startende Tour nach Siem Reap. 

 

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