Busfahrt nach Stung Treng und Stung Treng

27.10.12 – 29.10.12

 

Traditionellerweise nahmen wir, um von Siem Reap nach Stung Treng zu kommen, den Bus. Bei unserer Planung der Route durch Kambodscha haben wir, unwissend wie wir waren, leider einen kleinen (allerdings nicht unwesentlichen) Fehler begangen.

In unserer jugendlichen Ahnungslosigkeit und wider besseren Wissens und unserer mathematischen Grundlage, dass der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten eine Grade ist, und somit auch der schnellste Weg zwischen zwei Städten eine annähernde Grade beschreibt, dachten wir, dass wir recht einfach und schnell sowie unkompliziert aus dem mittleren Westen bis Nordwesten in den Nordosten nahe der Grenze nach Laos kämen.

Leider haben wir in dieser Hinsicht die Rechnung ohne den Wirt gemacht bzw. nicht mit den Straßenverhältnissen in Kambodscha gerechnet. Denn wie wir feststellen mussten, gab es keine Straße, die eine ungefähr direkte Verbindung zwischen diesen beiden Städten herstellte (bzw. die Straßen für den gemeinen Bus nicht geeignet waren –es handelte sich hier wohl um die bekannten roten Pisten (meistens wohl sogar um GROTTENSCHLECHTE rote Pisten…).

Somit waren wir gezwungen, erst Richtung Südosten zu reisen, dort den Bus zu wechseln, um in den Nordosten zu kommen. Wir konnten also nicht, um bei mathematischer Ausdrucksweise zu bleiben, die Hypothenuse fahren, sondern mussten uns mit dem Befahren der Ankathete und Gegenkathete begnügen.

Um es geographisch auszurücken, fuhren wir von Homburg über Luxemburg nach Bottrop (und das nicht etwa weil der Sprit in Luxemburg so viel günstiger ist als in Deutschland und auch nicht aufgrund der VIEL schöneren Umgebung).

Soweit, so gut.

Die Fahrt von Siem Reap nach Kratie, einem Ort, der etwa 140 km südlich von Stung Treng liegt, verlief (auch mit dem Umstieg in Kompong Cham) problemlos und ohne größere Zwischenfälle. Kurz vor Kratie machte unser Bus allerdings ein Geräusch, welches sich so anhörte, als ob ein Reifen geplatzt sei. Dieses war zwar nicht der Fall (zumindest nicht, soweit ich das beurteilen kann), dennoch sagte man uns, dass wir mit diesem Bus nicht weiterfahren könnten (es war ein recht großer und, soweit man das sagen kann, auch bequemer Bus) und in einen Minivan umsteigen müssten.

Hier befiel uns das erste Mal das Gefühl mit dieser Reiseart einen Fehler begangen zu haben…

Denn der Minivan hatte vorne neben dem Fahrersitz zwei Sitzmöglichkeiten auf der Beifahrerseite sowie vier Sitzreihen mit je vier Sitzvorbereitungen (inklusive Notsitzen) hinten. Summa summarum kommt man so also auf 19 Plätze… Leider waren es 24 Mitreisende, die einschließlich uns, nach Stung Treng wollten.

Somit hieß es zusammenzurücken, denn es war nicht vorgesehen, dass ein größerer Bus uns transportieren oder ein weiterer Kleinbus eingesetzt werden sollte. Auf dem Beifahrersitz saßen vier Kambodschanerinnen –endlich war es mal von Vorteil europäische Körperausmaße zu besitzen (dachte ich zumindest zuerst…) und jede Reihe hinten wurde mit vier Personen besetzt.

Auch war die Frage, wie das Gepäck verstaut werden sollte, nicht hinreichend geklärt.

Was die Ausrüstung anging, wurden etliche Gepäckstücke unter die Sitze geschoben und die übrigen Utensilien wurden kurzerhand an die Heckklappe gebunden. Da unsere großen Rucksäcke die Fußablage ausfüllten, entschieden wir uns in die letzte Reihe zu gehen, denn es war uns lieber, dass wir unsere Füße auf die Rucksäcke stellten, als irgendwelche Unbekannten. Damit waren wir allerdings gezwungen, die gesamte Strecke mit angewinkelten Beinen zu reisen (also der Vorteil des Europäers war wieder passé), was nicht gerade die angenehmste Position ist.

Die Straße an sich war zu 40%  –einigermaßen gut- asphaltiert. Die übrigen 60% bestanden aus Schotter. Entweder wurde die Straße hier gerade ausgebessert oder der Asphalt war einfach kaputt ohne dass man vorerst an ein Ausbessern dachte. Das hinderte den Fahrer allerdings nicht daran, in halsbrecherischem Tempo über die Fahrbahn zu brettern. Hier wurde ohne Rücksicht auf Löcher oder die Stoßdämpfer, sofern diese überhaupt vorhanden waren, das Tempo hoch gehalten. 

Natürlich bestand in diesem klapprigen Van NICHT die Möglichkeit sich anzuschnallen (außer dem Fahrer hatte niemand einen Gurt –wobei der Fahrer sich selbst sogar anschnallte, was mich am Anfang erstaunte, allerdings nach kurzer Fahrtdauer war mir der Grund –die rücksichtslose Fahrweise- schnell klar).

Glücklicherweise saßen wir so gedrängt und selbst die Decke des Minibusses war gepolstert und mit Stoff bezogen, so dass bei einem etwaigen Unfall kaum Platz zum herumfliegen gewesen wäre. Auch war der übrige Raum zwischen unseren Köpfen und der Decke mit so vielen Stoßgebeten ausgefüllt (allein ich habe mindestens 50 der Gebete beigesteuert), die man –auch wenn sie nur als Worten bestanden- regelrecht greifen konnte, dass sie eine zusätzliche Polsterung boten.

Auch dank der vielen Stoßgebete gen (Auto-)Himmel sind wir schließlich heile in Stung Treng angekommen.

Die Stadt an sich hat nicht viel zu bieten, so dass es nicht viel darüber zu berichten gibt.

Wir machten hier allerdings Bekanntschaft mit einem gut 60-jährigen Kanadier, der uns berichtete, dass er sich vor zwei Jahren dazu entschied seinen Job zu kündigen, seine Wohnung zu verkaufen, seine Möbel seinem Sohn zu schenken und auf Reisen zu gehen. Denn er wollte nicht sein restliches Leben mit Arbeiten und Fernsehglotzen vergeuden. Auch sei er noch soweit gesund (obwohl er mehr rauchte, als gesund ist) und er wollte bevor er sich aus der Welt verabschiedete, noch etwas von derselbigen sehen.

Diesen Globetrotter trafen wir in unserem gemeinsamen Hostel, welches unmittelbar neben dem Markt befindlich war.

Wir hatten hier ein Zimmer bezogen, welches für den Preis annehmlich war, auch wenn wir die ein oder andere Ameisenstraße unser eigen nennen konnten. Leider hatte ich beim Einzug die Ameisenstraße auf unserem Schriebtisch nicht gesehen, sodass ich meinen Rucksack sowie die, erst vor ein paar Tagen käuflich erworbenen und gerade erst angebrochenen, Kekse auf denselbigen stellte.

Als wir am nächsten Morgen aufwachten, wimmelte es in unserer Kekstüte nur so von Ameisen. Anstatt diese aber wegzuwerfen, entschieden wir uns dazu jeden einzelnen Keks mittels Zahnbürste (nein, nicht die eigene, sonder eine, die im Hostel für uns bereitlag) zu säubern.

Auch musste ich feststellen, dass unser Notfallset, welches wir eigens für diese Reise von Rita und Guy zusammengestellt bekommen hatten, von den Ameisen versucht wurde wegzutragen. Das Notfallset besteht zu ca. 90% aus Schokolade in den verschiedensten Varianten. Darunter befinden sich außer Merci noch Toblerone sowie kleine Schokobonbons und eine Tafel Zartbitter mit Nüssen. Die meiste Schoki, die nicht eingepackt war, befand sich zu diesem Zeitpunkt (zum Glück) schon in unseren Mägen. Allein die Tafel Zartbitter/Nuss wurde als eiserner Vorrat von uns noch nicht angerührt. Hier befanden sich einige Ameisenbotschafter (zumindest dachte ich zuerst, dass es Botschafter seien). Nachdem ich allerdings diese Botschafter des Landes –hier genauer der Schokolade und unseres Waschbeutels, denn in einem solchen führten wir die Dinge mit uns mit- verwies und sie nicht gewillt waren zu emigrieren, war für mich klar, dass es sich um Besetzer handelte, die nicht freiwillig das Feld räumen würden. Mit Susis tatkräftiger Unterstützung gelang es uns die Ameisen mittels Pusten und Wegschnipsen von der Schokolade zu entfernen.

Seitdem hängen wir immer die Kekse und die Schokolade an einem Bügel auf, in der Hoffnung, dass so präpariert keine Ameisen mehr unsere süßen Vorräte angreifen.

Nach zwei Nächten Aufenthalt in Stung Treng verließen wir Kambodscha Richtung laotische Grenze.

 

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