"The loop"

05.11.12 – 07.11.12

 

Nachdem wir unsere erste Offroad-Endurotour in Kambodscha gemeistert hatten, überlegten wir uns, wie wir den Schwierigkeitsgrad erhöhen könnten. So kam uns „the loop“ (die Schleife) zur Kong Lo-Höhle wie gerufen.

Hierbei legt man die Strecke, die zum Großteil asphaltiert ist, aber auch bessere und schlechtere Sandpisten beinhaltet, mit Rollern zurück. Die Tham Kong Lo (so der laotische Name) ist die größte Tropfsteinhöhle von Laos. Ihre Länge beträgt ca. 7,5 km und wird mittels Langbooten befahren.

Somit sollte am nächsten Morgen ein weiteres Abenteuer beginnen.

Wir buchten bei Mr. Ku zwei Scooter (also für jeden seinen eigenen, denn keiner von uns hatte Lust sich mit der Rolle als Sozius auf der Maschine des anderen zu begnügen) und überlegten uns noch, ob wir die von diesem vorgeschlagene und präferierte Vollversicherung (sie hätte die Miete der Mopeds pro Tag verdoppelt) abschließen sollten oder nicht.

Da wir bekanntermaßen Sparfüchse sind und aus Erfahrungsberichten von anderen Backpackern wussten, dass man (meist) ohne diese Versicherung günstiger fährt, entschieden wir uns dagegen. Wir überlegten natürlich, ob wir damit nicht einen schweren Fehler begehen würden…

Am Morgen bestiegen wir, nach Besichtigung und Überprüfung (soweit man das bei Susis und meiner Ahnung von Rollern als eine solche titulieren kann –die Hupe funktionierte, die Reifen waren aufgepumpt und die Kette war gespannt) unsere motorisierten Zweiräder. (Oje Christoph, du hättest wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, wenn du die Mopeds gesehen hättest!!)

Nun hieß es als Erstes mit den halbautomatischen Gefährten (mit dem linken Fuß wird, ohne dabei eine Kupplung ziehen zu müssen, mittels Wippe nach vorne hoch- und nach hinten heruntergeschaltet), eine Tankstelle aufzusuchen, denn die Roller wurden von dem pfiffigen und überaus geschäftstüchtigen Mr. Ku so gut wie leer an uns abgegeben, in der Hoffnung, dass wir die Roller später voller wieder bei ihm abgeben würden, als wie sie erhalten hatten.

Nachdem die Tanks mit je 3 Litern Benzin vollgetankt waren, begaben wir uns auf das erste Teilstück. Die 100 asphaltierten km, die wir in 3 Stunden bewerkstelligten, unterbrachen wir nach kurzer Fahrzeit, um eine kleine Höhle zu besichtigen. Dabei wurden wir aber (aufgrund unserer eigenen Torheit, denn wir hatten nicht VOR dem Besuch mit dem lokalen Guide den Preis für die Besichtigung verhandelt) ganz schön übers Ohr gehauen, denn wir zahlten einen immens hohen Preis nur fürs in die Höhle hereinblicken, denn der Wasserstand war zur weiteren Besichtigung noch zu hoch. Der Guide unterstützte aber, unmittelbar nach dem Erhalt des Geldes, wieder die Wirtschaft, indem er zum gegenüberliegenden Verkaufsstand ging, um das mit Zahlen bedruckte Papier gegen flüssige, hochprozentige Nahrung einzutauschen.

Ob dieser Erfahrung entschieden wir uns (auch weil alle Höhlen die wir in den letzten zwei Tagen besichtigt hatten, im Grunde genommen sich doch mehr oder weniger glichen) auf dem weiteren Weg keine weiteren Höhlen zu begehen.

Allein einen etwas längeren Zwischenstopp legten wir ein, um ein Besucherzentrum eines Staudammes zu besichtigen. Hier erklärte man uns, dass der Staudamm gebaut wurde, um einen Teil des Strombedarfs hierüber abzudecken. Auf unsere Frage hin wie viel Prozent des produzierten Stromes in die Umgebung fließe, bekamen wir als Antwort 5%. Die übrigen 95% würden nach Thailand exportiert, da hier viel mehr Strom benötigt würde (natürlich wird das so eingenommene Geld nur in die Tasche des Betreibers fließen und nie und nimmer den Menschen im Land zu Gute kommen). Auch seien mehrere Tausend Menschen für den Bau des Staudammes und des zusätzlich benötigten Stausees umgesiedelt worden. Für diese wären aber extra Häuser sowie Straßen gebaut worden und sie seien für ihre Felder entschädigt worden, indem sie ein anderes Stück Land erhielten.

Trotz dieses Zwischenstopps kamen wir (die letzten 20 km absolvierten wir auf einer mehr oder weniger guten Schotterpiste) recht zeitig in Thalang, einem kleinen 200 Seelendorf an und bezogen eine süße Holzhütte, die als einzigen Makel im Bad nur ein französisches -von mir ganz und gar ungeliebtes- Plumpsklo besaß.

Der Besitzer war uns aber von Anfang an so sympathisch, dass wir nicht wegen dieses Mangels eine andere Bleibe aufsuchen wollten. Auch sind die Gasthäuser in diesem kleinen Örtchen doch recht überschaubar und unseres hatte zusätzlich ein Restaurant (in dem der Chef selbst –sogar richtig gut!- kochte) und im Garten eine Bouleanlage.

Auch sprachen wir mit dem Besitzer über das Projekt des Staudammes und erfuhren, dass dieses in der Bevölkerung nicht wirklich gewollt war und auch die Natur ringsherum mittlerweile nicht mehr so schön ist, wie vor dem Bau. Er zeigte uns noch einige Bilder auf seinem Computer, die vor dem Bau des Dammes aufgenommen wurden, auf denen man einen kleinen Fluss erkennt, der von üppigem Dschungel umgeben war. Das Ergebnis nach der Durchführung des Projektes könnt ihr im Fotoalbum begutachten (abgestorbene Bäume ohne Ende…).

Im Verlauf des Nachmittags kam dann noch ein französisches Pärchen, das hier ebenfalls eine Hütte bezog.

Sowohl zum Mittag- als auch zum Abendessen ließen wir uns von dem Besitzer leckere Dinge kochen (dieser war übrigens früher angestellter Koch, bevor er dieses Guesthouse aufbaute), so dass wir rundum zufrieden waren. Auch telefonierten wir kurzerhand noch mit dem Bruder des Besitzers, der bis 1989 sieben Jahre in der ehemaligen DDR studiert hatte, und verabredeten uns für den nächsten Tag zu einer Suppe in seinem Nudelsuppenrestaurant, da dieses auf unserer Route lag.

Kurz vor dem Abendessen wurde noch eine gepflegte Partie Boule gespielt. Die laotische Fahne wurde durch den Chef selbst, die deutsche durch mich und die französische durch den zweiten Gast in diesem Guesthouse hochgehalten. Zum Glück habe ich in den letzten Jahren immer wieder auf dem Feriensitz von Jans Eltern in Mehrhoog das Boulespiel üben können (auch wenn der Spielbelag jetzt aus Schotter und nicht aus Rasen bestand), so dass ich gut vorbereitet in das Spiel gehen konnte. Der Laote hatte zwar einen Heimvorteil, aber ob er diesen nutzen konnte, werdet ihr in Kürze erfahren.

Der Franzose durfte beginnen. Er warf zuerst die kleine Kugel, um direkt im Anschluss seine erste große Kugel zu platzieren. Hiernach war ich an der Reihe und brachte meine erste Kugel leider nicht so nahe an das Ziel heran, wie der Franzose. Der Laote hingegen positionierte sich zwischen meiner und der des Franzosen. Also war ich wieder an der Reihe und versuchte erneut mein Glück. Doch dieses war mir nicht hold (auch der Spielbelag war sehr gewöhnungsbedürftig) und der Franzose konnte die erste Runde für sich entscheiden und mit zwei Punkten in Führung gehen. Auch die nächste Runde ging an den Franzosen, der mit insgesamt drei Punkten vor dem Guesthousebesitzer und mir lag und sich des Ziels (mit sieben Punkten) näherte.

Mittlerweile hatte ich mich aber besser an den Belag gewöhnt und konnte aufholen. Es entwickelte sich im Folgenden ein enger Zweikampf zwischen dem Franzosen und mir. Der Laote, trotz seines Heimvorteils, konnte im gesamten Spiel keinen einzigen Punkt ergattern. Das Ende des Spiels rückte immer näher, die Führung wechselte zwischen dem Franzosen und mir, Susi hatte immer mehr Hunger und forderte mich auf, endlich das Spiel zu beenden, denn andernfalls könnte es sein, dass sie vorher verhungert sei.

Es stand 6 : 6 : 0 und die Chance, dass Susi bald etwas zu essen bekommen würde, stand sehr gut. Wer allerdings den Sieg davontragen würde, das war noch nicht so klar. Ich hatte jedoch den Vorteil des Werfens der kleinen Kugel und somit auch der ersten großen Kugel auf meiner Seite.

Mein erster Wurf war indes nicht so gut und die Kugel kam mehr schlecht als recht vor dem Ziel zum Liegen. Jetzt durfte der Franzose ran. Seine Nerven waren aber nicht die stärksten, denn seine Kugel landete weiter entfernt als meine. Der Laote spielte die gesamte Zeit keine große Rolle, so auch in dieser abschließenden Runde, und verballerte mehr oder weniger alle drei Kugeln. Jetzt war es am Franzosen wieder vorzulegen und sich näher zu platzieren, als meine erste Kugel. Dieses gelang ihm allerdings erst mit seiner dritten und letzten Kugel. Ich hatte also noch zwei Kugeln, um das Spiel zu meinen Gunsten zu entscheiden.

Ein wenig nervös, aber mit dem Willen zu gewinnen, misslang mir dagegen der nächste Wurf. Nun musste ich also meine Nerven beisammen halten und alles in den letzten Wurf setzen und die Kugel letztlich gut positionieren.

Ich visierte das Ziel in aller Seelenruhe an, ließ meinen Arm mehrere Male hin und her schwingen, fixierte meine Gedanken allein auf das Ziel meine Kugel näher zu bringen als der Franzose und ließ die Kugel los.

In Zeitlupe sah man meine Kugel durch die Luft gleiten, beseelt von dem Gedanken, den Sieg einzufahren und schnellstmöglich ein Abendessen einnehmen zu können. Sie sprang zweimal auf dem Schotterboden auf, korrigierte damit von alleine ihre Spur, bevor sie sich langsam aber sicher kullernderweise Zentimeter um Zentimeter näher an das Ziel (die kleine Kugel) heranarbeitete.

Zu diesem Zeitpunkt konnte ich schon erahnen, dass es wohl zum Sieg reichen würde und nachdem meine letzte Kugel zum Liegen kam, war es sicher, dass ich es geschafft hätte und mir der Sieg nicht mehr zu nehmen sei. Ich rannte im Anschluss über das halbe Spielfeld, bevor ich mich auf den Knien rutschend von den jubelnden Massen feiern ließ (nun, diese Szene spielte sich nur in meiner Fantasie ab…).

Anschließend gab es eine zünftige Mahlzeit und nach einer halben Stunde des Sterneguckens (hier ist der Blick auf die Sterne zum Glück noch richtig klar, da es nicht so viele künstliche Lichter gibt), gingen wir geschafft ins Bett, um am nächsten Morgen wieder in aller Frühe (um 5:45 Uhr) aufzustehen.

Der zweite Tag begann mit einem schönen Sonnenaufgang sowie einem leckeren Frühstück (ich hatte einen Pfannkuchen mit Bananen und Schokosoße (Anmerkung Susi: wie 99% aller Frühstücke von Philip in diesem Urlaub) und Susi hatte eine vegetarische Reissuppe).

So gestärkt ging es auf die zweite Etappe, die ein bisschen anspruchsvoller werden sollte als die Erste, denn die Schotterpiste entsprach über eine Strecke von etwa 40 km einer uns schon aus Kambodscha bekannten GROTTENSCHLECHTEN roten Piste.

Den Vorteil, den wir allerdings mit unseren Rollern gegenüber den Enduros aus Kambodscha besaßen, war, dass wir langsam unseren Weg suchen konnten und nicht über die Löcher der Piste bretterten und somit diese umfahren konnten. Auch mussten wir nicht einem Guide hinterherfahren und konnten, so wie wir Lust hatten, anhalten, um Fotos zu schießen oder auch nur auszuruhen und zu genießen.

Auch den schwierigsten Teil der Strecke meisterten wir ohne Platten, gebrochene Speichen oder gerissene Kette.

Mittags kamen wir dann in Nahin an und suchten das Restaurant auf, in dem wir uns zur Nudelsuppe mit dem deutsch sprechenden Bruder des Besitzers unserer letzten Bleibe verabredet hatten.

Dieser konnte, trotzdem seine Zeit in der DDR schon über 20 Jahre her war, noch sehr gut deutsch und wir unterhielten uns sehr angeregt. Auch war das Essen sehr lecker und sensationell günstig. Da wir schon bei Zeiten in Nahin waren, entschieden wir uns nicht hier, sondern die verbliebenen 42 km bis zur Tham Kong Lo zu fahren und dort eine Unterkunft für die Nacht zu suchen. Dies war retrospektiv auch die bessere Entscheidung. Denn die 42 km waren sehr langweilig, die Straße war –abgesehen von ein paar Kurven- schnurgerade, dafür aber gut geteert.

Kurz vor der Höhle fanden wir auch eine sehr schöne Unterkunft mit Blick auf die umgebenden Berge sowie die sich davor ausbreitenden Felder. Ferner hatte sie einen Balkon und ein riesiges Moskitonetz über dem Bett. Auch trafen wir noch einen Holländer, mit dem wir die Kong Lo-Höhle zusammen befuhren (die Langboote konnten mit drei Passagieren besetzt werden und somit wurde der Eintrittspreis günstiger), sowie mehrere Briten, die an diesem Tag die Höhle besucht hatten und uns von dieser vorschwärmten.

Das einzige Manko unserer Behausung, welches wir zur Nacht feststellten, waren die hauchdünnen Wände. Es kam einem vor, als ob die Nachbarn während der Unterhaltung neben einem ständen. Vor allem die spanisch sprechenden Hotelgäste des Zimmers nebenan wurden erst nach mehrmaligem „PPPSSSSTTTT“ meinerseits stiller, so dass wir und alle anderen einschlafen konnten.

Am nächsten Morgen erkundeten wir also in aller Frühe die Tham Kong Lo. Dieses Unterfangen war sehr beeindruckend, da diese Höhle, wie schon erwähnt, einfach in sämtlicher Hinsicht gigantisch ist. Leider hatten wir keine so netten Guides wie die Engländer, da unsere beiden uns nur so schnell wie möglich durchschleusen wollten, um die nächsten Gäste zu transportieren und so viel Geld wie möglich zu verdienen. Dadurch hatten diese beiden sich allerdings das Trinkgeld unsererseits verspielt. Aber auch so hat sich der Besuch dieses Naturwunders gelohnt.

Wieder zurück in unserem Guesthouse bestückten wir unsere Roller und begaben uns auf den Heimweg. Jetzt hieß es ca. 180 km auf einem unbequemen Sitz zu überbrücken.

Nach ungefähr der Hälfte der Strecke tat einem der Ar… äääähhhh… ich meine natürlich Hintern so weh, dass man nicht mehr wusste, wie man sich hinsetzten sollte. So wurden die Pausen zum Ende hin häufiger und wir erreichten unsere Lodge in Thakhek so gegen 15 Uhr, kurz bevor wir uns einen Dekubitus zuziehen konnten.

Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass Susi es geschafft hat die dritte und letzte Etappe plus zusätzliche 45 km mit EINER!!! Tankfüllung zu meistern (Hut ab!!!). D. h. sie hatte einen Verbrauch von unter 1,4 l auf 100 km (Mr. Ku meinte, dass man mit einer Tankfüllung ca. 100 km fahren könne). So leergepumpt gaben wir unsere Scooter zurück (soviel zur Hoffnung von Mr. Ku, dass die Roller voller zurückgegeben werden als er sie abgibt HIHI).

Geplättet, aber froh die Tour –unfallfrei!!!- gefahren zu sein, freuten wir uns auf eine weitere ruhige Nacht in der Travel Lodge.

 

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