Catlins Nationalpark, Orepuki und Te Anau

09.01.13 – 13.01.13

 

Auf dem Weg zum Catlins Nationalpark legten wir einen kleinen Zwischenstopp am Nugget Point ein. Hier konnte man etliche in Neuseeland heimische Tiere beobachten. Wir erblickten zahlreiche Seehunde und verschiedene Vogelarten, dessen Namen ich mir (leider) nicht alle merken konnte. Auch befand sich an dessen Spitze ein Leuchtturm, der den Seefahrern als Orientierungspunkt dient(e). Zudem hatte man einen wunderschönen Blick entlang der Küste.

Wir hatten uns erhofft, von dem Aussichtspunkt auch (wie in unserem Reiseführer angekündigt) einen Blick auf die hier beheimateten Gelbaugenpinguine werfen zu können. Leider wurden wir am Leuchtturm stehend enttäuscht, denn Pinguine waren weit und breit nicht zu sehen.

Nachdem wir uns wieder in unseren Camper gesetzt hatten und die Straße zurückfuhren, erkannten wir auch unseren Fehler. Denn nicht, wie von uns vermutet, am Nugget Point selbst, sondern etwa einen halben Kilometer vor demselbigen war ein weiterer Parkplatz, von dem aus man Richtung Bucht heruntergehen konnte, um die besagte Pinguinart zu beobachten.

Hier hatten wir auch gleich Glück und sahen drei dieser Exemplare. Es war sehr beeindruckend diese Tiere aus so kurzer Distanz zu sehen und interessant, wie unbeholfen sich diese Tiere an Land bewegen, aber auch lustig zu sehen, wie sie in Richtung Wasser watschelten, über den ein oder anderen Stein hopsten, um sich dann elegant in die Fluten zu stürzen. Ihr Element ist und bleibt das Wasser.

Von hier aus begaben wir uns tiefer in die Catlins und campten wieder einmal auf einem einfachen Zeltplatz. Susi hatte vor Erreichen der Campsite noch Angst, ob wir denn einen Platz ergattern könnten, ist doch zurzeit Hochsaison. Die Campsite verfügt über 60 Stellplätze und befindet sich irgendwo im Nirgendwo. Also JWD oder am ADW. Wir fuhren mehrere Kilometer über eine Schotterstrecke und außer uns hatten sich dorthin nur noch vier andere Camper verlaufen. Susis Bedenken, der Platz könnte also voll sein, war –zum Glück- völlig unberechtigt.

Wir hatten diesen Zeltplatz auch aus dem Grund ausgesucht, da man von hier aus eine schöne Tageswanderung unternehmen konnte. In der Nacht fing es dann an wie aus Eimern zu schütten, so dass wir einerseits befürchteten, dass wir mit unserem Wagen davonschwimmen und zum anderen, dass wir die angepeilte Wanderung am nächsten Morgen nicht unternehmen könnten.

Glücklicherweise waren auch diese Befürchtungen unbegründet. Die Aufnahmekapazität der Landschaft ist aufgrund langjähriger Erfahrung bzw. Jahrzehnte und Jahrhunderte währender starker Regenperioden an diese gewöhnt, so dass wir uns am Morgen nach einer Stärkung auf den Weg begaben.

Hier ergab sich allerdings ein kleines Problem, mit dem wir nicht gerechnet hatten. Und zwar wussten wir, dass wir dem Catlins Rivertrack folgen wollten, jedoch war uns nicht ganz klar, wo zu beginnen. Am Eingang zur Campsite befand sich ein Schild, dessen Richtung wir zuerst verfolgten. Nachdem wir aber mehrere hundert Meter gegangen waren und es keine weitere Zeichen des Weges gab, drehten wir wieder um und fragten die Camper, die mit uns zusammen die letzte Nacht auf dem Zeltplatz verbracht hatten. Leider hatten wir hier keine Hilfe zu erwarten, denn jeder, den wir fragten, verwies uns nur auf die Schilder.

Der aufmerksame Leser wird jetzt sagen: Aha, Philip hat doch bisher nur von einem Schild gesprochen, da muss es also doch noch andere geben, wenn er jetzt von der Mehrzahl spricht. Darauf muss ich sagen, dass ihr Recht habt. Es gab noch ein weiteres Schild, auf dem nur leider der Catlins Rivertrack nicht mehr verzeichnet war, sondern welches nur von drei anderen Wanderwegen berichtet.

So folgten wir der Beschilderung, um nach wenigen Metern vor dem ehemals wohl fröhlich vor sich dahinplätschernden Bächlein zu stehen, welches nach den Regenfällen der letzten Nacht zu einem reißenden Fluss geworden war und kamen nicht weiter. Bei unserem letzten verzweifelten Versuch den richtigen Weg doch noch zu finden, folgten wir einem Trampelpfad, der hinter dem Schild zu erkennen war, in dessen Richtung allerdings keiner der Pfeile der drei angepriesenen Wanderwege zeigte und - oh Wunder- konnten wir hier einem Pfad folgen, der nicht nach wenigen Metern im Busch verschwand.

Glücklich doch noch zu unserer Wanderung zu kommen, gingen wir weiter und ob der blauen und orangenen Pfeile, die in regelmäßigen Abständen an Bäumen entlang des Pfades angebracht waren, befanden wir uns dann wohl doch auf dem richtigen Weg.

Die Wanderung war super! Wir waren die einzigen, die an diesem Morgen so früh auf diesem Pfad liefen, die dicht an dicht stehenden Bäume mit ihren Blättern gaben uns Schatten vor der vom Firmament strahlenden Sonne und der Fluss rauschte neben uns in seinem Bett. Von Zeit zu Zeit sahen wir kleine Wasserfälle und unsere wasserdichten Wanderschuhe bewahrten uns vor nassen Füßen. Einzig der Waldboden war ein wenig aufgeweicht und der Weg teilweise recht schmal, so dass wir aufpassen mussten, wollten wir nicht versehentlich ausrutschen und in den Fluss stürzen.

Nachdem wir schon eine geraume Zeit gewandert waren und uns immer noch keine Menschenseele begegnet war, kamen wir an eine Hängebrücke, die die beiden Seiten miteinander verband. Wir hätten zwar auf dem diesseitigen Ufer noch weiterlaufen können, da die Brücke aber stabil aussah, trauten wir uns (auch wenn ein Schild am Beginn der Brücke darauf hinwies, dass nur eine Person gleichzeitig diese betreten dürfe) die Uferseite zu wechseln.

Vorsichtig, einen Fuß auf eine Stahlstrebe vor den anderen setzend und mit einem leicht mulmigen Gefühl im Bauch, überquerte ich als erster die Brücke. Dabei sicherte ich mich die gesamte Zeit mit beiden Händen an den Drahtseilen, die den Handlauf bildeten. Außer, dass es mir so vorkam, als ob die Hängebrücke beim Überqueren schaukelte wie ein Kuhschwanz (Susi bestätigte mir später, dass sie auch das Gefühl hatte, die Brücke aber subjektiv von demjenigen, der schon auf der anderen Seite war, gesehen, sich kaum bewegt hatte) erreichten wir beide unversehrt das andere Ufer.

Hier wanderten wir weiter, bis wir an einem Punkt ankamen, an dem der Weg von dem über die Maßen Wasser führenden Fluss unpassierbar geworden war. Dort legten wir eine Pause ein, aßen und tranken, um uns für den Rückweg zu stärken (und somit natürlich auch für die nochmalige Überquerung der Hängebrücke…). Diese meisterten wir zum zweiten Mal ohne Probleme und da der Wanderweg keine Schleife beschrieb, blieb uns nichts anders übrig, als den gleichen Weg wieder zurück zu gehen. Auf dem Rückweg begegneten uns auch noch weitere Wanderer, die (jedoch später als wir –der frühe Vogel fängt halt den Wurm…-) ebenfalls von unserem Startpunkt aus aufgebrochen waren.

Ein weinig erschöpft, aber glücklich, dass wir die Wanderung doch hatten unternehmen können, kamen wir nach ca. 3 ½ Stunden wieder an unserem Camper an, um mit diesem den Weg nach Süden fortzusetzen.

Nachdem wir Invercargill (eine der größeren Städte am südlichsten Ende Neuseelands) passiert und hier in der Information erfahren hatten, dass man mehrere Kilometer entlang der Küste fahrend in einem kleinen Ort namens Orepuki frei campen könnte (vorausgesetzt man verfügt natürlich über einen mittels Klo –fully selfcontained wie es im englischen heißt- ausgestatteten Camper, den wir ja bekanntermaßen gemietet haben), entschieden wir uns bis dorthin zu fahren.

Die Strecke war –wie eigentlich alle Strecken bisher- auch ohne Allradantrieb sehr gut zu befahren und auch die kleinen Regenschauer, die wir während der Fahrt mitbekamen, konnten uns nicht vor Ankunft in diesem Städtchen stoppen.

Dass der Ort an der Küste liegt und es somit hier beizeiten sehr windig ist (auch als wir ankamen, herrschte hier eine steife Brise), konnte man an den Bäumen sehr gut erkennen. Denn diese legen sich so in den Wind, dass es zu sehr bizarren Formationen kommt (wie man an einzelnen Fotos im Fotoalbum erkennen kann).

Da wir hinter eine Hecke Zuflucht vor dem Wind suchten, hatten wir eine erstaunlich ruhige Nacht und fuhren am nächsten Morgen ausgeruht weiter nach Te Anau.

Hier angekommen, konnten wir ebenfalls Zeichen des hohen Niederschlages der letzten Tage erkennen, denn einige der am See gelegenen öffentlichen Picknickbänke befanden sich jetzt nicht mehr nur AM, sondern IM See. Zum Essen und Relaxen an diesen, musste man also einen Badeanzug bzw. eine Badehose tragen.

Wir übernachteten auf einem Campingplatz, der ca. 3 km außerhalb des Stadtzentrums gelegen war und dessen sanitäre Anlagen sogar über eine Fußbodenheizung verfügte. Da das Benutzen der Waschmaschinen sehr günstig war, entschieden wir uns gleich zwei Maschinen Wäsche anzuschmeißen und all unsere Wäsche durchzuwaschen. Während die Wäsche also lief, suchten wir im Internet nach einer Reitmöglichkeit. Ja, ihr habt richtig gelesen, Susi –und somit auch ich- wollten uns auf den Buckel eines Pferdes schwingen, um uns so für eine begrenzte Zeit fortzubewegen. Wir wurden auch sehr schnell fündig und buchten für den nächsten Tag einen Ausritt.

Am kommenden Morgen wurden wir von Lisa, die als Aushilfe auf dem Reiterhof arbeitete und zufälligerweise auch die deutsche Staatsangehörigkeit besaß, mit einem klapprigen, aber fahrtüchtigen Bulli abgeholt. Nach einer knappen halben Stunde kamen wir dann am Hof an und nach Ausfüllen der üblichen Einverständniserklärung, die unter anderem besagte, dass wir bei einem Unfall keine Regressansprüche gültig machen könnten, wählten wir unsere Helme und bekamen unsere Pferde zugeteilt.

Unsere Gruppe bestand übrigens nur aus uns dreien, so dass wir nach kurzer Erklärung der wichtigsten Kommandos sowie dem Aufsitzen schon losreiten konnten. Susi saß auf Babe, einer für ihr Gewicht etwas zu kleinen Stute, so dass Susi ihre Fersen nach unten und zur Seite drücken sollte, damit sie dem Pferd nicht den Bauch wund scheuerte. Ich bekam Ronald, einen 16-jährigen, sturen Bock zugeteilt. Die Besonderheit bei Babe war, dass sie IMMER an zweiter Stelle reiten MUSS und bei Ronald, dass er ein bisschen langsamer ist als die anderen Pferde, aber (bisher) immer treu hinter der Truppe hergeritten war. Bezüglich des Wetters war es -nebenbei bemerkt- wolkig und ein bisschen windig, so dass wir froh waren unsere Jeans und über unsere Fleece- auch noch die Regenjacken gezogen zu haben.

Wir ließen uns nun von unseren Pferden über die Prärie tragen. Susi konnte derweil mit Lisa ein Schwätzchen halten und ich konnte –ein wenig hinter den beiden reitend, da - wie oben bereits erwähnt- Ronald nicht mehr der schnellste war- meinen eigenen Gedanken nachhängen. So ging es also gemütlich dahin. Das ein oder andere Mal musste Lisa allerdings Ronald an den Strick nehmen, da er nicht mehr hinter den anderen beiden Tieren herlaufen wollte, sondern den Weg in die entgegengesetzte Richtung bevorzugte und sich auch nicht von mit dirigieren lassen wollte.

Nach ca. 1 ¼ Stunden hielten wir an und entspannten bei selbstgebackenen Muffins und einer Saftschorle auf einer Picknickbank. Unsere Pferde durften derweil ein  bisschen grasen. Auf dem Rückweg kam Lisa noch auf die grandiose Idee den ebenfalls viel mehr Wasser als üblich führenden Fluss zu überqueren. Meine einzige Bedingung war, hierbei nicht pitschnass zu werden. Lisa testete zuerst die Wassertiefe, um uns zu erklären, dass das Wasser den Pferden nur bis zu den Knien gehen würde. Dieses stimmte soweit, dass es in Ufernähe der Fall war. Als wir jedoch alle mit unseren Pferden im Wasser waren, wurde der Fluss zur Mitte hin tiefer und tiefer, so dass schlussendlich die Pferde bis zur Unterkante des Bauches im Wasser waren und somit auch unsere Füße gewässert wurden. Glücklicherweise hatten Susi und ich unsere wasserdichten Wanderschuhe an. Leider sind meine nur Halbschuhe, so dass wasserdicht hierbei bedeutete, dass das Wasser, was in die Schuhe durch Fluten derselbigen eindrang, nicht mehr HERAUS gelassen wurde…

Aber auch Susi hatte mit ihren hohen Wanderschuhen kein Glück und musste den Rest des Weges mit einem nassen Fuß vorlieb nehmen. Da die Farm auf der anderen Seite des Flusses lag, durften wir diesen sogar ein zweites Mal durchwaten. Dieses Mal hatten wir aber mehr Glück und das Wasser ging den Pferden an dieser Stelle nur bis auf Höhe der Knie, so dass wir trocken blieben.

Nebenbei bemerkt ist der Fluss normalerweise nur ca. 40 cm tief!!!

Trotz des nassen Fußes, hat uns das Reiten sehr viel Spaß gemacht, auch wenn es bei mir vielleicht manchmal durch mein steifes Sitzen im Sattel, nicht so den Anschein gemachte hatte.

Am kommenden Morgen packten wir wieder unseren Wagen und begaben uns zum Ausgangspunkt des Kepler Walks. Hierbei handelt es sich um einen der meistgegangenen Wanderwege Neuseelands. Eigentlich ist dieser ein Rundwanderweg, der innerhalb von drei bis vier Tagen erwandert wird. Da wir aber momentan nicht die Kondition haben, so eine lange Strecke zu wandern, entschieden wir uns nur einen Teil des Weges zu laufen, um dann umzudrehen und zurück zu laufen. Allein dieses 2 ½ Stunden auf dem Weg lohnten sich, denn er ist wunderschön. Auch waren auf unserem Hinweg nicht so viele Wanderer unterwegs, so dass wir recht ungestört die Natur erleben konnten. Erst als wir uns wieder auf dem Rückweg befanden, wurde es voller und die Popularität dieses Wanderweges wurde einem bewusst.

Glücklich dieses Teilstück gewandert zu sein, fuhren wir mit unserem Camper Richtung Queenstown.

 

Zum Fotoalbum Catlins Nationalpark, Orepuki und Te Anau.

Zum nächsten Reisebericht (Queenstown, Wanaka, Blue Pools und Lake Paringa).