Havelock, Blenheim und Picton

22.01.13 – 23.01.13

 

Zum Wundenlecken bzw. Auskurieren der Blasen an unseren Händen fuhren wir nach Havelock. Hier angekommen suchten wir uns einen schönen Platz, um die Nacht zu verbringen. Hierfür eignete sich unseres Erachtens ein kleiner, aber feiner Parkplatz unmittelbar an einem Meeresarm am ehesten und somit parkten wir unser Fahrzeug und begaben uns daran, unser Abendessen vorzubereiten.

Dieses nahmen wir draußen zu uns und begaben uns im Anschluss recht zügig ins Auto, denn zum einen waren wir von den zwei Tagen Kajak fahren geschafft und zum anderen wurde es, an der frischen Luft sitzend, recht frisch. Da wir beide –wie schon erwähnt- erschöpft waren, fielen wir sehr schnell in einen erholsamen Schlaf, der jedoch schon nach kurzer Zeit wieder gestört wurde. Und zwar kamen mehrere Liverpooler Jugendliche / junge Erwachsene angefahren und meinten uns aus dem Schlaf holen zu müssen.

Es war zwar nicht so, dass sie an unserem Auto angeklopft oder gar gerüttelt hätten, jedoch diskutierten sie so lautstark, dass wir beide aufwachten. Bei diesen handelte es sich um mindestens zwei, eher drei Jungens (einer hörte auf den Namen Ethan) und ein Mädel. Der Diskussionspunkt war folgender: Ethan hatte wohl oder übel sein IPhone sowie seine Geldbörse auf einer Insel im angrenzenden Meeresarm liegen lassen und das Mädel war nach unserem Dafürhalten dafür verantwortlich. Somit hatte die Dame vor zu nachtschlafenden Zeiten zur Insel zu schwimmen, um die Habseligkeiten des ganz und gar keinem Gentleman entsprechenden Ethan zu besorgen. Wie wir hörten, war Sie schon halb ausgezogen, sprang aber nicht ins Wasser, sondern echauffierte sich darüber, dass wir zur falschen Zeit, am falschen Ort freies campen betreiben würden.

Ich überlegte mir derweil schon, wie Susi und ich unbeschadet aus der Sache herauskommen würden. Sollte ich mit Susis Unterstützung die Liverpooler mit Worten überzeugen, dass wir doch nur schlafen wollen und uns nicht darum scheren, was außerhalb unseres Campervans passierte (dafür waren diese aber meiner Ansicht nach zu betrunken, um unseren Argumenten noch zugänglich zu sein…) oder doch lieber schon mal den Schlüssel in die Hand nehmen, um zur Not schnellstmöglich auf den Fahrersitz zu springen und mit quietschenden Reifen das Weite suchen?!

Bevor es aber zu einer Konfrontation und Reaktion meinerseits kommen konnte, entwickelte die Sache sich folgendermaßen. Die nächtlichen Besucher diskutierten noch ein paar Minuten, wer denn jetzt hinter dem Steuer ihres Autos platz nähme und fahren sollte, bevor diese dann unverrichteter Dinge -sprich ohne dass das Mädel sich nass machen musste- wieder von dannen zogen und die Habseligkeiten von Ethan vorerst noch auf der Insel beließen. Auch ließen sie uns den Schlaf der Gerechten schlafen (was uns, nebenbei erwähnt, auch sehr recht war…).

Am nächsten Morgen besuchten wir zuerst die dortige I-Site, um uns hier bezüglich einer Wanderung zu erkundigen. Kurz danach begaben wir uns auch auf dieselbige. Sie führte uns zunächst über einen Waldweg zu einem kleinen Wasserfall. Von hieraus zweigte ein Weg ab, der fast nicht als solcher zu erkennen gewesen wäre und bezeichnenderweise auch als „unformed track“ tituliert war.

Der Weg wand sich entlang des Bächleins in schwindelerregende Höhen. Und wenn ich schreibe schwindelerregend, dann meine ich es auch so. Es ging für unsere Verhältnisse steil bergauf, so dass wir von Zeit zu Zeit mehr den Weg herauf krackselten als zu laufen. Aufgrund des dichten Bewuchses des Weges vermuteten wir, dass dieser schon seit längerer Zeit nicht mehr benutzt worden war. Auch wenn –oder vielleicht auch gerade weil- die Wanderung mitunter sehr anstrengend war, hat sie uns sehr, sehr viel Spaß bereitet.

 

Im Anschluss fuhren wir nach Blenheim. Diese Stadt liegt im Norden der Südinsel an dessen Ostküste. Hier angekommen, stellten wir uns mit unserem Camper in die Nähe eines Parks und durchquerten diesen. In der Stadtmitte überlegten wir uns, feste Nahrung zu uns zu nehmen. In Erinnerung an unsere ersten zwei Monate der Weltreise entschieden wir uns für ein thailändisches Restaurant. Susi bestellte sich eine Tom Yam Suppe und ich frittierte Cashewnüsse mit Gemüse und Hähnchen. Es war ein richtiger Gaumenschmaus und eine wundervolle Abwechslung zu den üblichen Mittagessen, die wir uns sonst selber gekocht haben. Anschließend gönnten wir uns noch jeder einen Cappuccino (für mich gab es dazu noch einen Muffin als Nachtisch) bei einem Italiener, bevor wir uns noch ein bisschen im oben bereits erwähnten Park ausruhten.

Aufgrund der Tatsache, dass die Fähre uns am folgenden Morgen nach Wellington bringen sollte, fuhren wir nach Picton (wo der Fährhafen liegt). Hier fanden wir einen einfachen Stellplatz für die Nacht, der auch nur 15 Minuten vom Fähranleger entfernt gelegen war.

Vorher jedoch erkundeten wir den Queen Charlotte Sound noch zu Fuß und hatten einen wunderschönen Blick über den Fjord und die gesamten Inselchen.

Als wir am nächsten Morgen dann am Schalter der Fährgesellschaft waren, wurden wir davon unterrichtet, dass die 10 Uhr Fähre (also UNSERE Fähre) leider defekt sei und wir auf die 13 Uhr Fähre umgebucht worden seien. Nachdem die Dame hinter dem Schalter uns gefragt hatte, ob wir darüber nicht unterrichtet worden seien und wir dieses verneinten, da es keine Möglichkeit gibt, uns telefonisch in Neuseeland zu erreichen, bekamen wir noch zwei Gutscheine für Kaffee in einem nahe gelegenen Café.

Der Cappuccino, den wir uns hier bestellten schmeckte sehr gut und wir waren froh, dass wir es nicht eilig hatten und es uns somit nicht wirklich störte, erst drei Stunden später in Wellington anzukommen.

Auch machten wir noch die Bekanntschaft mit zwei Ingolstädtern, die uns einige Tipps bezüglich der Nordinsel gaben. Sie teilten uns unter anderem mit, dass man am Mount Bruce Kiwis begutachten könnte und dass sie nicht das Tongariro Crossing, sondern stattdessen eine andere schöne, längere Wanderung im Tongarironationalpark gelaufen seien.

Leider war das Wetter während der Überfahrt nicht so gut und es hat immer wieder zwischendurch geregnet. Trotzdem beeindruckte die Landschaft uns sehr mit seinen Fjorden und den Bergen. Außerdem hatten wir die Natur bereits am Vortag bei Sonnenschein genießen können.

Leider verpassten wir wegen akuter Müdigkeit, die uns beide überfiel, die Einfahrt in den Hafen Wellingtons und wir wurden mit den Worten geweckt, dass diejenigen, die einen fahrbaren Untersatz hätten, sich bitte zu diesen begeben sollten, da man in Kürze das Ziel Wellington erreicht habe.

 

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