Ha Long-Bucht

oder

Hin und wieder zurück

04.-06. Oktober 2012

 

Unser nächstes Ziel war die Ha Long-Bucht. Diese sehr beschauliche Gegend befindet sich im Meeresknick südöstlich von Hanoi und ist per Bus innerhalb von 4 h zu erreichen.

Wir wurden von unserem Hostel nach ca. 4 h Schlaf (die Luftfeuchtigkeit, sowie das Schreiben des ersten Reiseberichtes ließen nicht mehr zu) in aller Herrgottsfrühe (8:00 Uhr Ortszeit) mittels Bus abgeholt.

Der vietnamesische Guide kam in unser Hostel, in dem wir gerade unser Frühstück zu uns nahmen (zähes Weißbrötchen mit Streichkäse als Belag für mich und ein kleines Stücken ebenfalls zähen Weißbrötchens für Susi, da sie seit dem Morgen über Unwohlsein klagte) und sprach zu uns in einer mir unverständlichen Sprache, so dass ich annahm es sei Vietnamesisch. Dieses war aber ein Irrtum, denn so erwartungsvoll wie das Kerlchen uns ansah, musste es wohl Englisch gewesen sein. Nach mehrmaligem Nachfragen kamen Susi und ich schlussendlich zu der korrekten Annahme, dass er unsere Buchungsbestätigung sowie unsere Pässe wollte. Allerdings wollte er, nachdem wir ihm beides gereicht hatten, doch nicht mehr unsere Pässe haben, sondern wie sich dann herausstellte nur herausfinden, ob wir auch Pässe bei uns hatten und sie nicht versehentlich vergessen hätten.

Was er natürlich nicht wissen konnte, ist die Tatsache, dass unsere Reisepässe bei dieser Reise unsere größte Versicherung sind und wir sie somit wie unseren Augapfel hüten (selbst nachts habe ich es mir mittlerweile angewöhnt nur noch mit einem geschlossenen Auge zu schlafen und mit dem anderen die Reisepässe zu bewachen. Dabei hat es sich als nützlich erwiesen, alle 30 min die Augen zu wechseln, so dass jedes Auge auch seine verdiente Erholung erhält!).

Nun kamen wir also mit Sack und Pack zum Bus und verstauten unsere großen Rucksäcke auf dem Beifahrersitz und zwängten uns in die letzte Reihe (natürlich mit unseren kleinen Rucksäcken mit all unseren „wichtigen“ Sachen wie Geldbeutel, Netbook, Kamera und Nackenhörnchen). Zwängen beschreibt das auf die Sitze falten eigentlich am besten, denn die Busse sind für die hiesige Bevölkerung konzipiert und somit für einen normalen Mitteleuropäer mit einer Körpergröße über 1,70 m eigentlich medizinisch nicht verantwortbar. Meine Hoffnung bestand noch darin, dass wir, nachdem alle Touristen eingesammelt waren, vielleicht noch an einem Sammelpunkt ein komfortableres Gefährt besteigen würden. Nachdem wir allerdings eine halbe Stunde unterwegs waren und der Busfahrer immer noch keine Anstalten machte irgendwo zu halten und wir auch schon die Stadtgrenze Hanois hinter uns gelassen hatten, schwand meine Hoffnung (berechtigterweise). Als Trost sei gesagt, dass der Bus wenigstens eine funktionierende Klimaanlage hatte. Dies war auch gut so, denn auf dem Weg aus Hanoi begann es auch immer stärker und stärker zu regnen. Meine Hoffnung war, dass es besser jetzt regnen solle als während unseres Aufenthaltes in der Ha Long-Bucht.

Die übrige Fahrt von Hanoi zur Ha Long-Bucht bedarf nur weniger Worte. Wir sind heil angekommen und allein das zählt! Der Busfahrer fuhr wie eine gesengte Sau, als wenn er entweder einen Bonus bekäme, Michael Schumacher zu seinen besten Zeiten Konkurrenz machen wollte oder seiner Frau möglicherweise gesagt hatte, dass er zum Frühstück wieder zu Hause sei… Da wurde auch mal aus einer zweispurigen Straße (also EINE Spur für jede Richtung) eine dritte Spur geöffnet um einen LKW zu überholen, auch wenn auf der Gegenfahrbahn ebenfalls ein LKW mit Dauerlichthupe angefahren kam. In aller Seelenruhe wurde der LKW überholt, um kurz vor dem entgegenkommenden LKW auf die eigene Spur zurück zu wechseln. Aber wie gesagt, wir sind heil angekommen.

Hier erwartete uns die nächste Überraschung, als uns unser Guide bei strömendem Regen aus dem Bus aussteigen ließ und meinte, dass wir 10 min warten müssten. Jetzt weiß ich, dass vietnamesische 10 min etwa einer deutschen Stunde entspricht… Prinzipiell habe ich nix gegen das Warten an sich, allerdings finde ich es richtig, wenn man länger warten muss, es auch mitzuteilen und nicht die Zeit einfach auszusitzen. Zumindest konnten wir uns nach 10 min unter einem Baum stehender Weise und ein bisschen nass werden, unter das Vordach des Schalters stellen und dort der weiteren Dinge zu harren. Schließlich hat es dann doch geklappt und wir wurden zu unserem Boot gebracht.

Bis vor einiger Zeit waren die Boote noch braun oder bunter Farbe, bis die Regierung den super (!!!) Einfall hatte, dass alle Boote weiß zu streichen seien. Die Begründung hierbei: die Bucht sei Weltkulturerbe und bräuchte ein einheitliches Aussehen der Schiffe. Somit wurden die Besitzer dazu genötigt, diese Farbe den Booten angedeihen zu lassen. LEIDER!!! Denn früher (auf sämtlichen Tourprospekten) waren die Boote individueller.

Während der Wartezeit vor dem Übersetzen sprach uns ein älterer Herr an, ob wir deutsch sprechen würden. Nachdem wir dieses mit reinem Gewissen bejahen konnten, teilte er uns mit, dass er vor 61 Jahren aus Deutschland nach Kanada ausgewandert sei, seitdem in Vancouver lebe und 85 Jahre zähle. Zurzeit besuche er eine Vietnamesin namens Nalang, die er zusammen mit seiner Frau vor 7 Jahren in der Ha Long-Bucht kennengelernt habe. Seine Frau konnte die Reise leider nicht mit antreten, da sie zurzeit nicht reisefähig sei. Mit diesen beiden goldigen Reisegefährten verbrachten wir den ersten Tag in der Bucht. Rechtzeitig zu unserer Abfahrt klarte auch der Himmel auf und es wurde schöner. Als erstes folgte ein Essen auf dem Boot mit vielerlei leckerem und frisch zubereitetem Seafood. Natürlich wurden diese Köstlichkeiten, wie es den vietnamesischen Gepflogenheiten entspricht, mit Stäbchen gegessen.

Dank der besten Lehrer der Welt schafften Susi und ich es schlussendlich auch die ein oder andere Kalorie in unseren Mund zu manövrieren. Nur wenn alle zugeschaut haben und man sich dachte: jetzt kommt es drauf an, dass Du das Essen auch mit deinen Stäbchen zu fassen bekommst… naja, ihr wisst schon was dann passiert… Der Vorteil, der sich allerdings aus dieser Art des Essens ergibt, ist, dass man vieeeeeeeeel langsamer isst und somit sich nicht vollstopft bis man kurz vorm Platzen ist. Der Nachteil ist, dass die ein oder andere Speise schon kalt war… Aber wie heißt es doch so schön: Übung macht den Meister!

Nach dem Essen fuhren wir zu einer riesigen Kalksteingrotte (die Ha Long-Bucht besteht aus ca. 2000 Kalksteinfelsen mit etlichen Höhlen) und bewunderten die gewaltigen Stalagtiten und –miten. Es war wirklich beeindruckend!

Noch beeindruckender war danach unser Besuch auf einer kleinen Insel mit einem Sandstrand und den sich hier tummelnden Mallorcavertretern, die die ganze Schönheit der Bucht zerstörten. An dieser Stelle wussten wir, was Rita und Guy meinten, als sie davon sprachen, dass die Bucht zwar sehr schön sei und sich ein Besuch lohnt, aber mittlerweile touristisch überlaufen ist. Deshalb überlegten wir auch schon unsere Reise kurzfristig zu verkürzen und schon einen Tag früher wieder nach Hanoi zurückzufahren. Zum Glück haben wir diesen Gedanken nicht in die Tat umgesetzt, sondern sind geblieben. Denn der nächste Tag war einfach RIESIG!

Aber dazu später. Denn zuerst muss ich noch ein paar Worte über unserer Kajüte verlieren. Diese lag am Ende des Bootes direkt angrenzend an den Motorenraum. Dementsprechend war die Lautstärke in diesem unserem Dormitorium. (Mit Ohrstöpseln war der Geräuschpegel zwar ein wenig zu dämmen, dadurch wurde man aber sensibler dafür, die Vibrationen des Motors zu verspüren. Zusätzlich rundete ein Gestank aus einer Mischung von Diesel und frisch lackiertem Fensterrahmen das Bild ab. Da wir weder die Nacht bei geöffnetem Fenster verbringen wollten (hier wäre noch mehr Dieselgestank in unser Nachtlager gezogen) noch die Klimaanlage des Nachts laufen lassen wollten (auf eine Erkältung haben wir momentan auch keine Lust) entschieden wir uns dazu, lieber in unserem Schweiß zu baden und so den nächsten Tag herbeizusehnen. Natürlich vergaßen wir nicht vorher noch mit dem Guide auszumachen, dass wir für die zweite Nacht doch ein anderes Zimmer vorziehen würden. Dieser letzte Wille -weil letzte Nacht in der Ha Long-Bucht- wurde uns gnädigerweise gewährt!

Jetzt zum zweiten Tag!

Nach einem kurzen und knappen Frühstück (Toastbrot –natürlich ungetoastet), zu belegen wahlweise mit Ei oder Erdbeermarmelade, packten wir eilig unser Gepäck zusammen und wurden nach kurzer Zeit mittels Boot abgeholt, um Kajak fahren zu gehen. Für die erste Runde Kajak hätten wir 20 min zu Verfügung gehabt, so dass wir uns kurzerhand dazu entschieden –auch nachdem wir die total bappigen Schwimmwesten sahen- nicht Kajak zu fahren und auf das Boot zu warten, dass uns den restlichen Tag herumschippern sollte. Nach kurzem Warten (diesmal zum Glück keine vietnamesischen 10 min) kam auch schon unser Boot mit neuen Leuten und neuem Guide. Wir waren insgesamt zu sechst und wie wir schnell feststellten waren die anderen vier unserer Gruppe auch Deutsche. Betti und Mario kamen aus Heiligenstadt und Carmen und Frank aus Hannover. Wir verstanden uns auf Anhieb sehr gut und somit waren Susi und ich voller Vorfreude der kommenden Dinge. Diese Vorfreude wurde auch nicht enttäuscht, denn es ging nun bei strahlendem Sonnenschein in einen nicht so touristisch überlaufenen Teil der Ha Long-Bucht, in dem wir Kajak fahren gingen. Hier hatten wir ca. 1 ½ h, die wir mit paddeln um und durch Kalksteinfelsen verbrachten. Die Natur war wunderschön und es herrschte zwischenzeitlich eine himmlische Ruhe. Nach dieser Aktivität bekamen wir Essen serviert. Wie es sich gehört frisch zubereitete Meeresfrüchte und Fischgerichte. Den Rest des Tages verbrachten wir mit relaxen (Susi und ich), schwimmen (nur Susi) und unterhalten. Am Ende besuchten wir noch einen Sandstrand, der zwar nicht so überlaufen war wie der am Vortag, allerdings tummelten sich hier im Wasser ca. 8 Mitbürger asiatischer Abstammung, die wohl schon zu viel ihres Alkohols verzehrt hatten und sich –obwohl zwischen 40 und 50 Jahren- benahmen wie pubertierende 13-jährige. Einer meinte sogar, Susi mit dem Salzwasser nassspritzen zu müssen. Er hörte auch nicht auf, nachdem Susi ihm zu verstehen gegeben hatte, dass es reichen würde und sie auf so einen Mist keine Lust hätte. Erst als ich daran DACHTE mich heldenhaft einzumischen und ihn in seine Schranken zu weisen (ich pumpte meinen Brustkorb schon mal auf und setzte ein grimmiges Gesicht auf, um gefährlicher zu wirken), gab er dieses primitive Verhalten auf (vielleicht war auch der Grund zur Beendigung dieser Handlung die Tatsache, dass Susi aus dem Wasser ging und somit nicht mehr in der Reichweite seiner Spritzaktionen war… wer will das schon definitiv sagen können…).

Der Tag wurde aber mit einem wundervollen Ausblick oberhalb dieses Strandes auf majestätische Gesteinsformationen abgerundet.

Somit kann ich nur jedem empfehlen, wenn man die Möglichkeit hat, die Ha Long-Bucht zu besichtigen, dieses zu tun und auch die längere Variante mit zwei Übernachtungen und drei Tagen zu buchen!

 

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