Auf Wiedersehen Deutschland …. Xin chào Vietnam!

01.-04. Oktober 2012

 

Nach anstrengenden Flügen (7:25 Uhr in der Früh von Frankfurt nach London(1h 40min)), von London nach Singapur (12h 50min) in einem A 380, der allerdings nicht wie man aufgrund der Tatsache, dass es das größte Passagierflugzeug der Welt ist, denken könnte, auch so viel Platz hätte, dass man bequem sitzen oder schlafen könnte (hier ein dickes Dankeschön an meinen Bruder Marc (er weiß schon wofür…)) und abschließend von Singapur nach Hanoi (2h 50min) sind wir schlussendlich sicher in Vietnam gelandet. Hier erwartete uns auch schon unser Taxifahrer von unserem Guesthouse und zusätzlich empfingen uns nach einem unkomplizierten Zollcheck und zum Glück vollständiger Gepäckannahme rund 30° und ca. 90% Luftfeuchtigkeit (eine schweißtreibende Angelegenheit wie man hieraus folgerichtig schließen kann). Die Taxifahrt in unser Hostel betrug ca. 50 min und war so wortreich wie das Wetter wolkenlos war (bei bewölkter Wetterlage).

Auch war die Taxifahrt unsere erste Begegnung mit dem hiesigen Verkehr und den Gepflogenheiten des Autofahrens. Jeder der schonmal in Italien war, weiß, wenn man den Italienern ihre Hupe wegnehmen würde, würde dort keiner mehr Auto fahren, denn die Italiener würden den Spaß am Autofahren verlieren.

Wenn in Vietnam den Auto- und Mopedfahrern die Hupen weggenommen werden würden, dann würde hier auch keiner mehr Auto fahren, aber allein aus dem Grund, weil man um sein Leben fürchten müsste. Denn das Verkehrsaufkommen ist gewaltig. Und wenn ich GEWALTIG schreibe, dann meine es auch genau so! Man stelle sich einen Ameisenstaat vor und transferiere das Aufkommen innerhalb des Staates auf eine Straße. Hierbei muss man sich die einfachen Arbeiter als Mopeds vorstellen und die Wächter als Autos. Wobei auch die scheinbare Unordnung in einem Ameisenstaat eins zu eins auf den Verkehr übersetzt werden kann.

Bei den Zweirädern ist es hier so, dass es wohl als unschick gilt, einen Außenspiegel zu besitzen, sodass diese von den meisten Besitzer entfernt oder möglicherweise auch gleich vom Werk aus weggelassen werden. Somit ist die Hupe dazu da um mitzuteilen: „Vorsicht jetzt komme ICH“! (Nachdem man das erste Mal den Straßenverkehr beobachtet hat und vor allem das Verkehrsaufkommen sieht, wundert man sich, dass es so weinige Unfälle gibt (wir haben in der Zeit keinen Unfall beobachten können)). Es fährt (fast) jede/r Moped. Wenn man kein eigenes motorisiertes Zweirad besitzt, leiht man es sich entweder aus oder –wenn man erst ein Jahr alt ist und somit noch einige Zeit auf seinen Führerschein warten muss (wobei zu bezweifeln ist, dass jeder, der ein Moped fährt auch eine Fahrerlaubnis besitzt)- sitzt man zwischen Vater und Mutter oder zwischen Steuer und Vater/Mutter, je nachdem wer steuert.

Da die Straßen so vollgestopft sind und Ampeln hier nicht die Funktion erfüllen wie in Deutschland (nämlich den Verkehr zu regeln), ist das Überqueren der Straßen schon ein Abenteuer für sich. Um eine Straße zu überqueren darf man nicht warten bis kein Auto (oder Moped) mehr kommt, denn das wird NIEMALS!!! der Fall sein -man bekäme einen Rauschebart wie Mirakulix und wäre über und über mit Spinnweben voll- sondern man muss in einer konstanten Geschwindigkeit (aber bitte nicht rennen!) die Straße überqueren. Somit haben vor allem die Zweiradfahrer (die hier ja bekanntlicherweise den Großteil der Verkehrsteilnehmer stellen) die Möglichkeit ihre Route neu zu berechnen und können um einen herumfahren (hierbei ist es angeraten Blickkontakt mit den Fahrern/Innen herzustellen). Man hat aber vor allem ein Auge auf Autos und noch größere Kraftfahrzeuge zu werfen, denn diese können nicht so einfach um einen herumfahren (denn hierfür sind ihnen die Mopeds im Weg). Da die Autos aber meistens langsam fahren müssen (zum schnell fahren ist einfach zu wenig Platz), können diese aber per Haltesignal (ausgestreckte Hand und grimmiger Gesichtsausdruck) dazu bewegt werden, einen auf die andere Straßenseite zu lassen (dieses hat zumindest bisher bei uns funktioniert…). Auch ist es vorteilhaft (vor allem für die Zweiräder) wenn man mit mehreren die Straße überquert –also wie bei Susi und mir zu Zweit- zusammen in einer Flucht geht, sprich nebeneinander. Jeder, der schonmal in Vietnam war wird hiervon sicher ein Lied singen können.

Außer der Vorsicht im Straßenverkehr gibt es hier allerdings keine besonderen Dinge, auf die man achten und vor denen man Angst haben muss (wobei man unter Berücksichtigung der von mir gerade erteilten Ratschläge natürlich auch vor der Straßenüberquerung keine Angst zu haben braucht!). Die Vorsichtsmaßnamen, die man im Urlaub in europäischen Ländern befolgt, helfen einem hier genauso weiter und bewahren ebenfalls vor bösen Überraschungen.

Woran man sich hier gewöhnen muss, ist die Tatsache, dass man, wo immer man etwas einkaufen will, übers Ohr gehauen wird. Die ersten zwei Versuche Wasser oder Obst käuflich zu erwerben, waren bei Susi und mir (nein eigentlich bei Susi, denn ich habe mich schön im Hintergrund gehalten und später nur gute Ratschläge gegeben *g*) nicht von Erfolg gekrönt. Doch nachdem wir in unserer Unterkunft nachgefragt haben, wieviel man für die verschiedenen Obstsorten als Preis ansetzen kann, haben wir es geschafft (respektive Susi –ich war wieder der gute Geist im Hintergrund) Obst zu bekommen. Es muss allerdings noch erwähnt werden, dass es hier keine „Einheitspreise“ gibt wie bei uns daheim, so dass auch die Einheimischen jeden Tag aufs Neue verhandeln müssen und z. B. an einen Tag für 1kg Obst 15000 Dong zahlen und am nächsten 20000 Dong (1€ = 22000 Dong). Ausländer müssen damit rechen mindestens das zwei- bis dreifache als erstes Angebot zu erhalten und wenn man einen zu niedrigen Preis angibt (also einen Preis unter dem, den Einheimischen zahlen müssten) damit zu rechnen, dass die Händlerin lachend von dannen zieht (nicht wahr Susi?!).

Am letzten Abend in Hanoi (also am zweiten Tag unserer Reise *g*) begann es fürchterlich  zu regnen. Leider führte dieser Regen nicht wie in Mitteleuropa zu einer verdienten Abkühlung, sondern nur zu einer noch höheren Luftfeuchtigkeit. Dieses konnte uns aber nicht davon abhalten, noch eine Straßenbar aufzusuchen in der wir ein Bia Hoi trinken konnten. Bia Hoi ist das heimische Bier (ebenfalls der Name dieser Bars) und man höre und staune, Susi war diejenige, die unbedingt noch so ein Bierchen trinken wollte. Somit bestellte ich auch gleich zwei Bier am Straßenstand, wir setzten uns auf zwei Hocker, die eigentlich bezogen auf ihre Größe für Kleinkinder gemacht sind (falteten also unsere Bein ein, um sitzen zu können) und genossen das erste Bier. Susi wollte zwar partout kein eigenes Bier haben, da sie es aber war, die darauf bestanden hatte eins trinken zu gehen, musste sie halt in den sauren Apfel beißen bzw. die Suppe selber auslöffeln, heißt ihr eigenes Bier trinken (OK, ich habe ihr zum Schluss noch ein bisschen geholfen, denn irgendwann wollten wir ja doch wieder ins Hostel zurück und schlafen…). Auf dem Rückweg zu unserer Unterkunft erfuhren wir dann noch den Grund, warum es hier in Vietnam (zumindest in Hanoi, denn bisher waren wir ja noch in keiner anderen Stadt) keine Mülleimer gibt. Zum Abend hin wird hier sämtlicher Abfall in den Rinnstein gefegt und im weiteren Verlauf des Abends/der Nacht kommen Müllfrauen vorbei (ich habe bisher erst einen Müllmann gesehen) und kehren alles in große, mitgebrachte Container.

Unser Hostel ist übrigens das Thu Giang Guesthouse, welches im Zentrum von Hanoi zu finden ist und somit sehr zentral liegt. Zudem ist es sehr sauber. Unser Zimmer hat eine Klimaanlage sowie ein eigenes Duschbad mit voll integrierter Dusche (d. h. wenn man geduscht hat, wurde auch gleich das ganze Bad inklusive Toilette, Handwaschbecken und Wäschestange mitgeduscht, denn es gab keine extra Duschkabine… wohl dem, der vorsorglich alle Kleidung und Handtücher aus der Gefahrenzone räumt…). Das Beste an diesem Guesthouse ist die Besitzerfamilie –deren älteste Tochter sehr gut Englisch spricht-, die alle sehr freundlich sind und einem sehr gute Ratschläge bezüglich Abheben von Geld, möglichen Aktivitäten, sowie Essen und Trinken geben.

Apropos Essen sei abschließend noch zu sagen, dass wir es bisher geschafft haben unser Abendessen zu verzehren, ohne dass es an der einen oder anderen Öffnung anders herausgekommen wäre, als es medizinisch zu hoffen gewesen wäre… (dieses könnte aber auch der Tatsache geschuldet sein, dass wir abends immer noch, um unseren Magen zu desinfizieren, einen Ouzo trinken).

Unser nächstes Ziel ist die Ha Long-Bucht, zu der wir morgen in aller Frühe aufbrechen, so dass ich diesen Bericht hiermit schließe.

Hẹn gặp lại, wie der Vietnamese zu sagen pflegt…  

 

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