Ho Chi Minh-Stadt

 

Die ca. fünfstündige Busfahrt von Mui Ne nach Saigon war eher unspektakulär, sodass es nicht allzu viel darüber zu berichten gibt. Wir hatten uns für diese Strecke von ca. 200 km einen normalen Bus ausgesucht und keinen Schlafbus, sodass es schon mal kein Klo gab, das uns unsere Nasenschleimhaut verätzen konnte und glücklicherweise war unser Busfahrer ein Nichtraucher und auch kein zweiter Michael Schumacher.

Die Fahrt war also soweit gut zu überstehen, auch wenn direkt vor uns ein Pärchen aus Großbritannien platz genommen hatte und kurz nach Beginn bis unmittelbar vor der Ankunft der Reise ihre Sitze soweit nach hinten kippten, wie es die Mechanik zuließ und unser Platzangebot sich eher übersichtlich gestaltete. Aber nichtsdestotrotz überstanden wir die Fahrt ohne größere Schäden an Leib und Seele.

In Saigon angekommen hatten wir mal wieder das große Glück, dass der Bus uns nicht weit von dem von uns herausgesuchten Guesthouse absetzte und wir zu diesem Laufen konnten. Wir bezogen ein sehr sauberes und recht zentral gelegenes Hotel, bei dem sogar sowohl ein sehr üppiges Frühstück, als auch ein einfaches Abendessen bei den 15 $, die es kostete, inbegriffen waren.

Den Tipp das „Madam Cuc 64“ zu beziehen, hatten wir mal wieder von unseren reiseerfahrenen Freunden Rita und Guy (Vielen Dank!).

Aufgrund der guten Lage konnten wir dann auch schon, nach kurzem Einchecken und Frischmachen, die Stadt unsicher machen. Netterweise bekamen wir von einer der Besitzerinnen einen Stadtplan, in den sowohl das Hotel als auch etliche Sehenswürdigkeiten eingezeichnet waren.

Auf dem Weg ins Zentrum kamen wir nach nur ein paar Metern an einem Outdoorshop vorbei, in dem Susi sich nach einem neunen, großen Reiserucksack erkundigte, da ihr jetziger doch sehr übersichtlich ist und somit ein größerer her sollte. Hier fiel uns auch recht schnell ein Rucksack von Jack Wolfskin ins Auge, der über etliche, durch verschiedene Reißverschlüsse zu erreichende Fächer verfügte und eine Größe hatte, die ausreichte, um sämtliche Bedürfnisse des Einpackens einer Frau zu befriedigen. Allein die bundeswehrtaugliche, grünlich-bräunliche Farbe gefiel weder mir noch Susi.

Auch preislich differierten die Vorstellungen der Verkäuferin und unsere, aber über Preise kann man ja bekanntlich verhandeln…

Als Nächstes suchten wir den Zentralmarkt auf. Auf dem Weg zu diesem Markt durchquerten wir eine Parkanlage, die in der Mitte zweier großer Straßen gelegen war und verschiedene Fitnessgeräte beinhaltete, auf denen auch die/der ein oder andere sich vergnügten. Ferner staunten wir nicht schlecht, als wir vor der Markthalle von einem freundlichen, in Polizeiuniform (so dachten wir zumindest zuerst) gekleideten Mann über die Straße geleitet wurden. Einzig fehlte, dass er uns auch noch an die Hand genommen hätte.

Wie wir später feststellten, handelte es sich bei der Person um einen Touristensicherheitsdienst, der dafür zuständig war, fremdländische Besucher sicher zum Zentralmarkt zu geleiten (also zumindest über die letzte Straße vor der Markthalle).

Die Markthalle ist riesig groß und man kann hier alles Mögliche kaufen. Angefangen von Obst über Fisch und Fleisch sowie Kleidung bis hin zu Schmuck, technischen Gerätschaften und letztendlich natürlich auch Rucksäcken. Wir fanden also einen Stand, der den von uns schon vorher in Augenschein genommenen Jack Wolfskin Rucksack vertrieb. Auch hatte er eine ansprechendere, um nicht zu sagen sogar sehr schöne Farbe, denn er leuchtete in verschiedenen Rottönen.

Also begann das große Gefeilsche und Susi hat sich wirklich hervorragend geschlagen, so dass wir (also im genau zu sein Susi, denn mein Beitrag war eher übersichtlich, nun eigentlich eher gleich Null…) am Ende gewannen und einen sehr beachtlich niedrigen Preis herausschlugen. Dummerweise hatten wir zum einen das benötigte Kleingeld nicht am Mann (oder an der Frau) und wollten aufgrund der schlechten Erfahrung auch nicht per Kreditkarte zahlen. Somit erklärten wir der Dame, dass wir später –nach dem Abheben des Geldes- wiederkämen, um den Rucksack käuflich zu erwerben.

Leider kamen Susi auf dem Weg nach draußen Zweifel, ob das von der Verkäuferin uns feilgebotene Jack Wolfskin-Original wirklich auch ein solches sei oder sie nur eine –wenn auch gut gearbeitete- Fälschung für den Preis bekäme.

Zum zweiten war Susi sich noch nicht sicher, ob sie es übers Herz bringen würde, den ihr von ihrem Onkel zum 14. Geburtstag geschenkten Rucksack einfach so verstoßen zu können. Kurzzeitig war unsere Überlegung, Susis alten Rucksack mittels Post nach Deutschland zu schicken. Diese Überlegung verwarfen wir allerdings, nachdem wir die Preise fürs Schicken nachgeschaut hatten, schneller, als man Schicken buchstabieren kann (und ich kann Schicken SEHR schnell buchstabieren…).

Nach längerem hin und her überlegen und weiterem Preisvergleichen in weiteren Geschäften sowie im Internet, entschied sich Susi allerdings doch für dieses feine Angebot und wir gingen am nächsten Morgen in aller Herrgottsfrühe auf den Markt und bekamen auch ohne viel Federlesens den Rucksack zu dem ausgehandelten Preis.

Im Bilderalbum kann man übrigens den Rucksack anschauen und ich denke die Meisten von Euch werden mir zustimmen, wenn ich behaupte, dass es wirklich ein sehr schönes Exemplar ist. Des Weiteren ist es entweder wirklich ein Original oder eine so gut und aufwendig gemachte Fälschung, dass sogar die Schilder im Rucksack jeweils als erstes in deutscher Sprache die Materialien beschreibt und es nicht unerwähnt bleibt, dass das Produkt für Deutschland hergestellt wurde (und zwar in Vietnam).

Zusätzlich hat Susi auf dem Markt noch ein T-Shirt erstanden. Auch dieses kann man im Bilderalbum bestaunen. Was hier besonders zu beachten ist, ist die Größe, die auf dem Schild aufgedruckt ist. Es handelt sich hierbei um die vietnamesische Größe des Produktes und Susi war schon sehr deprimiert, dass sie sich ein Shirt in Größe XL zulegen muss. Auch der Druck auf dem T-Shirt ist typisch fürs „Verkabeln“ in Vietnam.

Im Weiteren haben wir uns noch einige Sehenswürdigkeiten Saigons angesehen. Hierunter fielen das Theater, die Kirche „Notre Dame“, die Moschee, … und der Wiedervereinigungspalast. Ferner haben wir uns noch das Kriegsmuseum angesehen. Dieses hat uns allerdings aus mehreren Gründen nicht sonderlich gefallen. Zum einen wurden nur die Gräueltaten der Amis dargestellt und die Vietnamesen bekamen eine Weiße Weste angezogen und ferner konnte man nichts über die Hintergründe, warum der Krieg überhaupt stattgefunden hat, in der Ausstellung finden. Die Bilder waren ferner sehr schockierend und die dort gezeigten Geschehnisse sind nur schwer verdaulich.

(Immerhin haben wir unsere geschichtlichen Lücken direkt in einem Park aufgearbeitet und erstmal ausführlich in unserem Reiseführer das Kapitel Vietnamkrieg studiert.)

 

An unserem zweiten - und letzten - Abend in Saigon gingen wir –bestückt mit unseren Büchern- in den schon oben erwähnten Park, suchten eine Bank auf und begannen zu lesen. Im weiteren Verlauf füllte sich die Anlage mehr und mehr mit Männern und Frauen jeglicher Altersstufe, die dort entweder walkten, joggten oder sich ihrer Tai-chi Übungen hingaben. Es war schon ein beeindruckendes Schauspiel, insbesondere aufgrund der Tatsache, dass das Thermometer noch um die 30 °C anzeigte und die Luftfeuchtigkeit so hoch war, wie bei einer gut bedampften, finnischen Sauna (vielleicht befinden sich aber auch multiple, von einem Multimillionär bezahlte Gnome unmittelbar unter der Erdoberfläche Südostasiens und bedampfen diesen Landstrich dergestalt, sodass sich hier aus diesem Grund die Luftfeuchtigkeit in diesen Sphären befindet…). Ich für meinen Teil zumindest schwitzte schon beim alleinigen Zuschauen und fand schon den Gedanken an Sport anstrengend genug.

Als wir so vor uns hinlasen, erspähte Susi plötzlich Theresa und Jörg (die einen Bus später nach Saigon gefahren und somit erst am Vorabend angekommen waren).

Als wir zusammensaßen und uns unterhielten, kamen plötzlich drei Vietnamesinnen auf uns zu (wir schätzen sie –auch aufgrund ihres Verhaltens, giggelnderweise- auf 15/16 Jahre) und fragten, ob wir Lust hätten uns mit ihnen ein bisschen auf Englisch zu unterhalten. Natürlich bejahten wir und eh wir uns versahen, hatten sich Ruckzuck eine ganze Traube von –wie wir im weiteren Verlauf der Unterhaltung feststellten 21 – 24jähriger- VietnamesenInnen um uns versammelt.

Somit teilten wir uns auf und jeder hatte ca. 3 – 4 Diskussionspartner. Ich hatte dabei wohl recht viel Glück, denn meine Gesprächspartner waren augenscheinlich recht intelligent, denn wir diskutierten unter anderem über Politik, das deutsche und vietnamesische Gesundheitswesen sowie die Jobsuche. Wie wir erfuhren, lernen sie zwar in der Schule die englische Grammatik, allerdings kommt die Aussprache dabei zu kurz (meiner Befürchtung nach ist leider auch die Aussprache der Lehrer nicht als besonders anzusehen, denn die Aussprache unserer meisten Gesprächspartner ist nicht annähernd so gut, dass man sie auch nur ansatzweise verstehen könnte). Endungen werden einfach verschluckt und die Betonung wird der Betonung der eigenen - für uns Europäer fremdartigen und zungenbrecherischen- vietnamesischen Sprache einfach eins zu eins übernommen.

Trotz allem war das Gespräch mit den VietnamesenInnen sehr nett, wenn auch am Ende sehr anstrengend.

Im Anschluss hieran hatten wir uns unser Essen und den anschließenden Frozen Joghurt redlich verdient!

 

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