Hoi An – oder ich lasse mir einen Anzug schneidern

09.-11. Oktober 2012

 

Zuerst möchte ich noch einen kleinen Nachtrag zu Hue servieren.

Bisher lief alles wie geschmiert. Wir haben bisher keine Angst gehabt, ausgeraubt zu werden oder anderweitig in Schwierigkeiten zu geraten. Auch habe ich mittlerweile schon des Öfteren meine teure Spiegelreflexkamera des Abends mit auf unsere Streifzüge genommen und, wie meinen Augapfel gut bewacht, auch immer wieder heil mit ins Hotel gebracht. Mein Netbook hat entweder gut im Save der Hotels oder –mehr oder weniger gut versteckt- in unseren Hotelzimmern geschlummert.

Da die meisten Wlans allerdings ungesichert waren, konnte ich erst vor zwei Tagen das erste Mal mein Kreditkartenkonto überprüfen. Dort ist mir aufgefallen, dass von meinem Konto eine Abbuchung über 500$ getätigt wurde, die ich –oder Susi- niemals in Auftrag gegeben hatten. Nachdem dann auch noch Theresa, eine Deutsche, die wir mit ihrem Freund Jörg, sowie einem befreundeten Pärchen namens Dinah und Dodo (Dominic), auf dem Weg nach Hue kennengelernt hatten, sagte, dass das Googlehotel von ihrem Konto unberechtigterweise 5 000 000 vietnamesische Dong (ca. 187€) abgebucht hätte, war mir klar, dass meine Kreditkartendaten wohl von diesem Hotel, das mit Sicherheit den Namen ohne Rücksicht auf Verletzung der Namensrechte trägt, üblerweise weitergegeben wurden.

Somit habe ich sofort bei meinem Kreditkarteninstitut diese Abbuchung storniert und hoffe, dass das Geld noch nicht verloren ist. Leider habe ich von dem Institut noch keine Antwort erhalten.

Zuerst befürchteten Susi und ich, dass wir nach Sperren der Kreditkarte keine Chance mehr hätten, auf das Konto zuzugreifen. Jedoch ist uns glücklicherweise noch ein- und aufgefallen, das die zweite Kreditkarte, mit der wir vom gleichen Konto abheben können, eine andere Nummer trägt, sodass wir mit dieser weiterhin Geld am Automaten erhalten.

Es war uns aber eine Lehre, so mir nichts dir nichts mit der Kreditkarte zu zahlen, sodass wir ab sofort nur noch bar zahlen und das Geld lieber immer wieder an einem Geldautomaten abheben.

 

Drückt uns bitte die Daumen und schickt Gebete zum Himmel oder zündet eine Kerze bzw. sofern ihr in einem südostasiatischen Land unterwegs seid, ein Räucherstäbchen an, dass die Daten der zweiten Karte nicht auch noch stibitzt werden.

 

So, jetzt komme ich zu Hoi An.

Wir fuhren mit einem Bus von Hue in das ca. 170 km entfernte Hoi An. Zum Glück war es kein Liegebus, sondern ein „normaler“ Reisebus, so dass schon mal kein Problem mit einem Stinkeklo bestand. Auch die Bequemlichkeit war OK, so dass die 5h Fahrt auf einer Ar… äähhhh ich meine natürlich Pobacke abgesessen werden konnte.

Der Reisebus setzte uns direkt vor einem Hotel ab und uns wurde gesagt, dass die Zimmer in diesem Hotel zwischen 10 und 15$ kosten würden. Beim Betreten der Lobby kam uns das Hotel aufgrund der Größe und Ausstattung wie ein Palast vor. Wir ließen uns die Zimmer zeigen und es lässt sich nicht leugnen, dass wir befürchteten, dass bei dem günstigen Angebot doch irgendwo ein Haken sein musste…

Außer für Susi und mich fragten wir auch noch nach Zimmern für unsere vier Freunde, die wir in Hue kennengelernt hatten und mit denen wir auch zusammen Hoi An ansehen wollten. Diese kamen gegen 17 Uhr nach einer Mopedtour von Hue nach Hoi An nach und waren genauso überrascht und erfreut über unsere günstige und gute Hotelauswahl. Zum Glück gab es (bisher) keinen Haken. Toitoitoi, hoffentlich kommt da nix mehr nach…

Auch hat es auf der Fahrt von Hue nach Hoi An mal wieder geregnet. Jedoch hat der Regen pünktlich zur Ankunft am Hotel aufgehört und die Sonne kam heraus. Nachdem Susi und ich im Hotel eingecheckt hatten, machten wir uns auch schon auf den Weg in die Stadt, die zum Glück per Pedes von unserem neuen Domizil aus zu erreichen war.

Hoi An ist übrigens für seine guten Schneider bekannt (und damit sind nicht die ein bisschen größer als Mücken geschaffenen Tiere gemeint…). Ich hatte mir schon bei unserer Reiseplanung vorgenommen, in dieser Stadt einen Anzug maßanfertigen zu lassen. Jeder der mich kennt, weiß, dass ich nicht der Anzugträger vor dem Herrn bin, jedoch kann auch nicht jeder einen maßgeschneiderten Anzug sein Eigen nennen.

So gingen Susi und ich also zu einer von unserem Reiseführer (übrigens ein „Stefan Loose“ –an dieser Stelle vielen Dank an Michi und Sascha, die uns diesen Reiseführer ans Herz legten) angepriesenen Adresse, um dort nach Stoff zu schauen. Der Reiseführer ist an und für sich sehr gut, doch die Kartendetails sowie die Beschreibung einzelner Orte, sowie dieses Geschäftes ist meines Erachtens verbesserungswürdig. (Es kann aber auch sein, dass unser Orientierungsvermögen verbesserungsbedürftig ist und wir deshalb nicht auf Anhieb den „Laden“ gefunden haben…)

Schlussendlich ist es uns aber doch noch gelungen das im Reiseführer als zwar nicht allzu günstig, dafür aber guter Stoffe garantierte Geschäftslokal ausfindig zu machen. Hier wurde erstmal unser Wissen über die Herstellung von Seide erweitert oder besser gesagt eigentlich erstmal auf irgendeinen Stand gebracht.

Wir erfuhren, dass die Raupen in der ersten Woche alle drei Stunden mit frischen, klein gehackten Blättern versorgt werden müssen. (Jeder, der schon in dem Genuss von eigenen Kindern ist, wird bestätigen können wie anstrengend es ist, auch des nachts die Schreihälse versorgen zu müssen…) Danach schlafen die Raupen die meiste Zeit um nur ab und zu sich den Wanst vollzuschlagen, bevor sie anfangen sich in ihren Kokon einzuwickeln. Es gibt übrigens zwei natürliche Farben (weiss und gelb) der Kokons. Bevor die Raupen schlüpfen, müssen sie allerdings getötet werden, damit diese den aus einem einzelnen Faden bestehenden Kokon nicht zerbeißen und somit den Faden kappen. Hierfür werden sie in heißes Wasser gelegt. 25% der Raupen werden am Leben gelassen, um für den weiteren Nachwuchs zu sorgen. Aus einem Kokon kann man übrigens einen Faden von ca. 1 km Länge gewinnen.

Nachdem uns diese Verfahrensweise der Seidengewinnung erklärt wurde, ging es ans Eingemachte. Wir erfuhren, dass man sich einen Anzug aus Rohseide schneidern lassen (Nachteil hierbei ist, dass man eine Struktur im Anzug erkennt) oder sich für einen Anzug aus Kaschmir entscheiden könne (der Nachteil hierbei besteht darin, dass der Stoff hierfür importiert werden müsse). Nachdem ich den Preis für so einen Anzug erfuhr (über Geld redet man ja bekanntlich nicht, so dass ich hier auch nicht weiter auf den Preis eingehen werde), schluckte ich erst einmal und meinte, dass ich mir das mit dem Anzug noch überlegen müsse.

So gingen Susi und ich vorerst aus dem Laden wieder heraus und überlegten was als Nächstes zu bewerkstelligen sei. Susi meinte, dass wir uns in einem anderen Geschäft (mit dem Wissen des Preises für so einen Anzug im Handgepäck) uns ein Angebot einholen könnten. Da ich mich aber sehr gut in der Seidenmanufaktur beraten gefühlt hatte, wollte ich erstmal ohne in einem anderen Geschäft nachzuhorchen, überlegen, wie teuer so ein Anzug im Verhältnis zu den Anzügen in Deutschland denn nun wäre.

Bei einem guten Mittagessen im „Blue Dragon“ (ein Lokal, das direkt am Fluss liegt und mit einem Teil seines Erlöses Waisenkinder unterstützt) ließ ich mir die Sache noch mal durch den Kopf gehen. Das Ende des durch den Kopf gehen lassens bestand glücklicherweise nicht darin, dass mir auch noch das Essen durch den selbigen ging, sondern schön den Weg zum „richtigen“ Ausgang suchte und ich mich dazu entschied, den Anzug schneidern zu lassen.

So gingen wir wieder zurück zu dem Geschäft, in dem uns unsere nette Verkäuferin auch wieder empfing und weiter beriet. So wie sie uns angesehen hat, als wir wiederkamen, hatte sie wohl nicht damit gerechnet, dass wir noch mal zurückkämen, um den Anzug anfertigen zu lassen. 

Aber da hat sie nicht mit uns gerechnet! (Ich weiß zwar nicht was für ein Bild sie vorher von Deutschen hatte, aber mit Sicherheit haben wir ihr Bild der „Deutschen“ an sich und unser Bild im Besonderen verbessert!)

Hier wurde ich dann ausgemessen, wie ich noch nie in meinem Leben zuvor ausgemessen wurde (gut, da sei noch zu gesagt, dass ich bisher noch keinen Anzug maßgeschneidert bekommen habe…). Es wurde an Schultern, Armen, Beinen Maß genommen, dabei wurden auch nicht der Umfang von Oberarmen –von der Schulter zum Ellenbogen-, der Beine, der Taille oder der Brust vergessen. Nachdem ich dann ausgemessen war –und zum Glück auch für gut befunden wurde- bekam ich noch die Nummer 3 und wurde schlussendlich noch frontal, sowie seitlich abgelichtet (dabei musste ich aber keinen schwarz-weiß gestreiften Anzug anziehen und auch nicht die Nummer unter meinem Kopf halten…). Während ich also fotografiert wurde (mal sehen in welcher Ausgabe der Bravo ich bald zu sehen bin…) fing Susi ein Gespräch mit einem netten Australier (O-Ton Susi: ein sympathischer, dicker Opi) an. Dieser hat mich dann, nachdem er uns erklärte, dass er sich schon etliche Anzüge auf der ganzen Welt habe schneidern lassen, es aber keinen zweiten Laden gäbe, der so super sei wie dieser und er deshalb schon zum wiederholten Male hier sei, überzeugt, die richtige Wahl getroffen zu haben.

Hiernach wurde mir mitgeteilt, dass mein Anzug am nächsten Tag um die gleiche Zeit fertig sei und ich ihn dann abholen könne. D.h. es wurde allein für mich die ganze Nacht durchgeschafft, damit MEIN Anzug fertig würde (ich kam mir vor wie Gott in Frankreich…). Am nächsten Tag war der Anzug dann auch wie versprochen fertig und ich warf mich also in Schale. Sofort fingen die Damen an mir zu schmeicheln und so etwas zu sagen wie „handsome man“ und ich musste aufpassen, dass ich nicht ausrutschte… Da der Anzug aber auf Höhe meiner Brust (böse Zungen würden jetzt schreiben Hühnerbrust…) nicht richtig saß, wurde er noch umgenäht und ich sollte nach weiteren drei Stunden des Nähens wiederkommen.

Gesagt, getan. Ich kam also wieder und jetzt saß der Anzug perfekt! Leider haben sowohl Susi als auch ich, vor lauter Entzücken ganz vergessen mich in meinem neuen, maßangefertigten Anzug zu fotografieren, so dass es bisher kein Bild mit mir und meinem Anzug gibt. Sonst wäre dieses natürlich in der Fotogalerie gelandet. Der Anzug befindet sich jetzt schon auf dem Weg nach Hause zu meinen Eltern (nein Papa, dir wird er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht passen…), da er nicht mehr in unser Gepäck hereingepasst hätte.

Für Susi haben wir zum Glück in Hoi An auch noch zwei Hosen gefunden (eine davon, die Grüne könnt ihr auch schon auf den Fotos bewundern), wobei diese nicht maßgeschneidert sind. Nichtsdestotrotz ist die Geschichte des Kaufs der Hosen ebenfalls beschreibenswert.

Nachdem wir also meinen Anzug haben anfertigen lassen, sind wir in der Stadt herumgeschlendert und haben nach leichten Hosen für Susi Ausschau gehalten. In dem ersten Lädchen, in dem Susi dann auch eine Hose gefunden hatte, die ihr gefiel, wurde diese dann auch gleich anprobiert.

Hierfür wurde eine provisorische Umkleidekabine mittels quer in einer Ecke gespannten Tuchs hergestellt. Das Problem, welches Susi allerdings hatte, war, dass die Hose in Größe 2 leider zu kurz war. Die Besitzerin des Lädchens war dann aber so freundlich und hat schnell die gleiche Hose in Größe 3 aus ihrer ein paar hundert Meter entfernten Wohnung besorgt. Leider war diese wiederum zu groß.

Nachdem Susi die Verkäuferin dann fragte, ob sie eine andere, quer gestreifte Hose in einer anderen Größe Zuhause hätte (was diese bejahte) und wir meinten, dass wir am nächsten Tag noch mal vorbeischauen würden, wollte die Besitzerin als Pfand Geld von uns, dass wir auch auf jeden Fall am nächsten Tag zurückkommen würden.

Da sowohl Susi, als auch ich es für absurd hielten ihr Geld zu geben, ohne zu wissen ob die Hose Susi überhaupt passen würde, verließen wir das Geschäft unverrichteter Dinge. Beim weiteren Bummeln fanden wir dann noch einen Laden, der die gleichen Hosen feilbot, die Susi gerade schon anprobiert hatte. Auch pries der Besitzer die Hosen mit „the best price“ an, so dass wir es uns natürlich nicht nehmen lassen konnten, in den Shop hereinzugehen.

Nachdem Susi die ersten Hosen angezogen hatte (die Auswahl war immens), wollte der Verkäufer Susi wohl schmeicheln und meinte, er sei froh, dass Susi nicht so schmale Hüften hätte, wie die einheimischen Mädels, sondern sie die Hosen im Pobereich vernünftig ausfüllen würde. Ich unterstelle dem Verkäufer beste Absichten, doch wissen wir alle, dass Frauen, in Bezug auf ihre Hüften und den Po so eine Aussage nicht hören wollen… So versuchte Susi, nachdem sie zwei schöne Hosen ausgesucht hatte, mit dem Verkäufer zu feilschen. Dieser erwies sich allerdings als sehr harte Nuss (und verwies zuletzt noch auf seine hungrigen Mäuler, die er zu ernähren hätte), so dass Susi ihn nur minimal herunterhandeln konnte. Schlussendlich hatte Susi aber zwei sehr schöne Hosen erstanden und alle waren glücklich!

Obwohl die Verkäufer sich hier schon sehr auf Touristen eingestellt haben und man immer wieder mit den Worten „come in my shop, good quality“ angesprochen und manchmal auch angegrapscht wurde, was uns schon ein bisschen auf die Nerven ging, hat uns Hoi An insgesamt sehr gut gefallen (auch war nicht so viel Verkehr wie in Hanoi).

Wer also einen schönen Anzug maßgeschneidert haben will, für den ist Hoi An unbedingt ans Herz zu legen!

Das Geschäft, in dem ich meinen Anzug habe anfertigen lassen, heißt übrigens „Fine Art Handicraft Workshop“ und befindet sich in der Le Loi unmittelbar neben der Touristeninformation.

 

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