Per Nachtbus von Hanoi nach Hue




Wieder gut aus der Ha Long-Bucht in Hanoi angekommen, hatten wir knapp eine Stunde Zeit bis der Nachtbus uns nach Hue bringen sollte. D. h. schnell die Zeit nutzen und etwas Essen, damit man die 13-stündige Fahrt (ca. 700 km) überlebt. Wir sollten zwischen 18 und 19 Uhr Ortszeit an unserem Guesthouse abgeholt werden und -Oh Wunder- unser Kleinbus war auch um 18:45 Uhr zur Stelle um uns zum Busbahnhof zu bringen. Der Busfahrer hatte es ziemlich eilig und fuhr mit aggressivem Gehupe zum vereinbarten Treffpunkt. Hier hieß es dann sein Ticket abstempeln zu lassen, das Gepäck zu verstauen und im Bus (nachdem man am Eingang seine Schuhe ausgezogen und in eine Plastiktüte verstaut hatte) einen Platz zu suchen. Susi war vor mir im Bus und wollte in den hinteren Reihen zwei Plätze reservieren. Zum Glück teilte uns eine Mitfahrerin (ebenfalls aus Deutschland) mit, dass man sich am besten nicht zu nah an der Toilette eine Schlafgelegenheit aussuchen sollte, da diese einen sehr unangenehmen Geruch verströme. Ich dachte mir zuerst „naja, soooo schlimm kann es ja wohl nicht sein“, aber weit gefehlt!!! Diesen bestialischen Gestank nur als sehr unangenehm zu bezeichnen, ist für diese Adjektive eine schiere Beleidigung! Denn um den Geruch zu beschreiben, der dieser Toilette entwich, sofern man so unvorsichtig war und diese benutzte (oder benutzen musste), muss noch ein neues Wort erfunden werden. Deshalb entschied ich mich schon zu Beginn unserer Tour in die alte Kaiserstadt (auf der nächsten Vietnamtour werde ich einen Blasenkatheter für solche Fälle in mein Gepäck packen), solange nicht auf die Toilette zu gehen, bis die Flüssigkeit in meiner Blase per Diffusion in die freie Bauchhöhle gelangt oder wieder retrograd ins Nierenbecken zurückgelaufen wäre. Für die zweite Möglichkeit hätte ich sogar per Kopfstand der Flüssigkeit den Weg Richtung Nieren gezeigt. Nachdem also die Platzwahl auf zwei Plätze weiter vorne im Bus gefallen war, konnte man sich mit den Bedingungen der Fahrt auseinandersetzen. Leider erkannte man schnell auch den Haken an der billigeren Lösung, sprich der Busfahrt mittels Schlafbus, gegenüber der teureren Lösung mittels Zug. Denn die Sitze in den Nachtbussen sind –genauso wie die Sitze in den Kleinbussen (siehe Bericht der Ha Long-Bucht)- nicht für den gemeinen Mitteleuropäer mit einer durchschnittlichen Körpergröße konzipiert. Die südostasiatischen Mitreisenden konnten ihre Beine ausstrecken und es sich bequem machen, wohingegen ich mich gefreut hätte, wenn ich meine Beine hätte abschrauben können. Leider hat die Evolution den Vorteil abschraubbarer Beine noch nicht erkannt, so dass ich mich auf eine anstrengendere Fahrt gefasst machte. Zumindest bestand die Möglichkeit die Rückenlehnen soweit zurückstellen, dass eine fast waagerechte Liegeposition eingenommen werden konnte.

Da es in Vietnam schon um 18 Uhr dunkel ist, kam ich mir bei Abfahrt unseres Schlafbusses um 19.30 Uhr schon vor, als ob es Mitternacht wäre. Leider war zu Beginn der Fahrt nicht an Schlaf zu denken, da über die installierten Fernseher und Boxen der Film „Ironman I“ gezeigt wurde. An und für sich ein sehr unterhaltsamer Film, aber zum Einschafen (zumindest in der Lautstärke, in der er in unserem Bus abgespielt wurde) eher ungeeignet. Verzweifelt suchte ich zuerst in meinem kleinen Rucksack -mit dem ich meinen Platz teilte- meine Ohrstöpsel, bevor mir einfiel, dass ich in einem Moment geistiger Umnachtung diese in den großen Rucksack, der für mich unerreichbar unter mir im Stauraum des Busses lag und sich mit dem übrigen Gepäck vergnügte, verstaut hatte. Also war Aushalten die Parole und zumindest konnte ich mit meinem MP3 Player die Zeit bis zum Ende des Filmes überbrücken. Netterweise wurde der Film dann auch ca. eine Viertelstunde vor seinem Ende abgeschaltet, so dass diejenigen, die den Film noch nicht kannten, jetzt in ihrer Fantasie dem Film ein eigenes Ende geben können.

Um kurz vor 22 Uhr konnte man sich wieder Gedanken über die Schlafposition machen. Hierzu muss ich Euch allerdings noch ein bisschen näher das Platzangebot beschreiben (diejenigen unter Euch, die schon mal mit solch einem Bus gefahren sind, wissen natürlich, was jetzt kommt…).

Am besten kann man sich die Enge ausmalen, wenn man sich vorstellt, dass man eine Ölsardine sei und sich in einer Dose befinde, in der eigentlich 10 seiner Kumpel bequem hereinpassen, diese allerdings mit der doppelten Anzahl teilen müsse.

Die Breite des Sitzes beträgt ca. 50 cm, die Länge ca. 175 cm, wobei die Füße in einem Kasten enden, der sich bezüglich der Höhe von Mitte der Unterschenkel bis zu den Füßen von 30 cm bis auf 10 cm zur Spitze hin verjüngt. Dieser Kasten entspricht im Übrigen der Unterlage des Kopfendes des Vordermannes bzw. der Vorderfrau.

Man kann also seine Füße im Endbereich nicht aufstellen, sondern nur in einer sowohl für die Füße als auch für die Knie physiologisch so nicht vorgesehene Seitenlage positionieren.

Es bestehen somit prinzipiell drei Liegepositionen.

Erstens: Rechtsseitenlage mit angewinkelten Beinen und Rucksack in Kniehöhe,

zweitens: das gleiche in Linksseitenlage und

drittens: Rückenlage mit dem Rucksack als Knieunterlage. Hierbei kann der Rucksack aber leider aufgrund des begrenzten Platzangebotes nicht weiter Richtung Unterschenkel verlagert werden, denn dafür ist der Kasten für die Beine nicht hoch genug. Außerdem wäre diese Position möglicherweise dann auch noch bequem, so dass die Konstrukteure sich wohl dachten, dass dieses nicht ginge...

Nachdem ich mich also in einer der oben beschriebenen möglichen Liegeposition eingefunden hatte (bequem konnte man diese Position natürlich nicht nennen) –ich fing mit der Rückenlage an- und mich auf dem Weg ins Land der Träume befand, wurde mein Versuch einzuschlafen auch schon wieder jäh unterbrochen. Denn die eigentliche Autobahn wurde in diesem Abschnitt gerade erneuert (oder ist erst in der Bauphase –dieses konnte bei den gegebenen Lichtverhältnissen von mir nicht weiter eruiert werden) und stattdessen befanden wir uns auf einer Sandpiste, die am ehesten einer bei uns als Motorcrossstrecke bezeichnete Schotterstraße glich. D. h. man wurde gut durchgerüttelt und -geschüttelt, so dass an Schlaf vorerst nicht zu denken war. Z. T. befanden sich in der Straße, sofern man diese Piste so nennen konnte, Löcher, in denen sich Kleinkinder hätten drin verstecken können. Auch wurde der Schlaf immer wieder durch den oben beschriebenen durchdringenden Geruch aus der Toilette, die von dem/der ein oder anderen benutzt wurde, gestört. Die Klobenutzer müssen entweder keinen Geruchssinn gehabt haben, Apnoetaucher von Beruf sein, um die Luft lange genug anhalten zu können oder Angst gehabt haben, dass ihre Blase platzt. Auf der Straße sowie im Bus sind mir etliche Männer und Frauen sowie Kinder aufgefallen, die einen Baumwollmundschutz vor Mund und Nase tragen, bei dem ich mich schon des öfteren gefragt habe, welche Funktion dieser besitzt (außer, dass man bei Hyperventilation wieder CO2 inhaliert, um dieses wieder zurückzuatmen). Jetzt weiß ich wozu diese noch vonnöten sind…

Trotz der widrigen Umstände gelang es mir noch, die ein oder andere Minute der Nacht zu schlafen. (Susi: Ich weiß nicht, was Philips Problem bei den Bussen war?! Ich konnte wunderbar schlafen und die Strassen waren ein Traum verglichen mit Kamerun. Philip: Ich werde Susi schnellstmöglich einen Termin bei einem HNOler besorgen, denn ich mache mir ernsthaft Sorgen um ihren Geruchssinn…)

Nach etwa der Hälfte der Strecke fing es übrigens so stark an zu regnen, so dass ich zwischenzeitlich befürchtete, dass wir weggeschwemmt würden oder wie uns Sascha und Michi (zwei Freunde aus Bonn) uns von ihrer Vietnamreise aus dem letzten Herbst erzählten, in Hue bzw. Hoi An knöcheltief im Wasser waten müssten. Zu allem Überfluss hatten wir dann auch noch einen Plattfuß, der in einer sich am Straßenrand befindlichen Werkstatt –mehr oder weniger- professionell gewechselt wurde. Ich wunderte mich nur ein bisschen, dass wir alle im Bus sitzen bleiben konnten, während das Rad abgeschraubt und ein neues wieder angeschraubt wurde. Aber auch das hat geklappt.

Ein bisschen gerädert, aber trotzdem guten Mutes sind wir dann schließlich nach ca. 13-stündiger Fahrt in Hue angekommen. Auch hatte es mittlerweile aufgehört, wie aus Kübeln zu schütten, so dass meine Befürchtung durch Hue schwimmen zu müssen sich in Wohlgefallen aufgelöst hatte.

 

Die alte Kaiserstadt Hue

07.-09. Oktober 2012

 

Hier wartete auch schon eine Horde hungriger Taxifahrer. Diese stürzte sich auf uns Touris wie eine Horde Geier auf das Aas. Zum Glück der Fahrer fing es natürlich just in dem Moment, in dem wir aus dem Bus ausstiegen, wieder an zu regnen (bestimmt haben die Chauffeure vorher einen Regentanz aufgeführt), so dass wir ohne zu murren oder zu handeln den fünffachen Preis für die Fahrt ins Hotel bezahlten. Der Taxifahrer versuchte uns zuerst ein „preiswertes und sehr gutes“ Hotel aufzuschwatzen, brachte uns aber zu unserer großen Verwunderung doch zu der von uns angegebenen Adresse. Das Hotel was wir dann für die nächsten zwei Nächte bezogen, nannte sich „Google-Hotel“ und hatte selbst den Schriftzug dieser uns allen gut bekannten Suchmaschine. Ich gehe allerdings nicht davon aus, dass das Hotel den Namen offiziell tragen dürfte, denn wir sind hier, was Copyright und Kopien sowie das benutzen geschützter Marken bzw. -namen angeht, in einem Vakuum. Das Hotel war sauber und die Zimmer für den Preis von 18 $/ Nacht auch völlig OK. Erst später, nachdem wir -wie jeden Tag- in Ninas Restaurant gegessen hatten, bemerkten wir, dass es in unserem Zimmer roch wie in einem Pumakäfig. Dieses lag aber nicht, wie die/der ein oder andere jetzt vermuten könnte, an Susi und mir oder unseren im Handwaschbecken gewaschenen und zum Trocknen aufgehängten Kleidungsstücken!!! Sondern zum einen strömte ein sehr unangenehmer Geruch aus dem Abfluss unserer Dusche (dieser wurde dann kurzerhand von uns professionell mit einer Plastiktüte verschlossen), die Handtücher müffelten nachdem sie mit Wasser in Berührung kamen und das Fußende unseres Bettes verströmte einen Käsegeruch wie ein Harzer Roller. Da waren wir sehr froh zwei in Hanoi günstig erhandelte Seideninlays als Puffer zwischen uns und dem Bett zu haben.

Hue ist, wie schon die Überschrift sagt, die alte Kaiserstadt und es lohnt sich dieser einen Besuch abzustatten. Wir haben am ersten Tag -nachdem wir einen ziemlich nervenden Tuktuk-Fahrer abgewimmelt hatten- die Zitadelle sowie die purpurne Stadt besucht (in der früher nur der Kaiser mit seinen Frauen –es waren so um die 100- wohnen durfte) und fanden hier immer wieder Unterschlupf vor den wiederkehrenden Schauern. Später fanden wir dann noch den Weg in einen Supermarkt (juhuuu, es gibt doch die Möglichkeit zu einem Festpreis das Wasser zu kaufen!!!) und deckten uns hier zusätzlich mit Keksen ein.

Am nächsten Tag begaben wir uns auf eine Mopedtour mit unserem Guide Luc und einem seiner Fahrer. Luc hatten wir am ersten Tag in Ninas Restaurant kennengelernt und er bot uns eine Tour auf seinen Mopeds an, um die nichttouristischen Stellen von Hue zu erkunden. Wir waren uns schnell einig und buchten diese Tour. Wir waren zwar etwas skeptisch ob er uns wirklich am nächsten Tag am Hotel abholen würde (denn wir bezahlten ihm schon bei unserem Treffen den vollen Preis). Aber unsere Befürchtungen, Luc könnte mit unserem Geld über alle Berge sein, waren unberechtigt und so ging es am nächsten Morgen los. Wir bekamen jeder einen Helm aufgesetzt. Genau genommen waren es eigentlich höchstens Nussschalen, die unsere grauen Zellen schützen sollten… So ausgerüstet schwangen wir uns als Sozia auf die Mopeds. Als erstes besuchten wir eine Arena in der früher zur Belustigung des Kaisers Elefanten gegen Tiger kämpften. Es gewannen immer die Elefanten, da den Tigern unfairer weise vor den Kämpfen die Krallen gestutzt und ihre Pfoten in Tüchern eingepackt wurden. Aus einer Laune Gottes heraus, gewann jedoch an einem Tag der Tiger, so dass mit diesem Tag keine Kämpfe mehr in der Arena stattfanden und für den getöteten Elefanten eine Grabstätte inklusive Tempel unweit der Arena errichtet wurde (diese haben wir natürlich auch besucht). Ferner sahen wir uns etliche Sehenswürdigkeiten abseits der touristischen Pfade an, darunter mehrere Pagoden, von den Amis errichtete Militärbunker, einen Friedhof für die Gefallenen Vietnamesen im Vietnamkrieg, konnten Mönchen bei einer Zeremonie beiwohnen und ein bisschen über die Sitten der Mönche erfahren, sowie über schmale Wege fahrend die Umgebung von Hue kennen lernen. Trotzdem wir oftmals an den Sehenswürdigkeiten alleine gelassen wurden (unser Guide hätte ruhig noch ein bisschen mehr erzählen können) hat uns die Tour sehr gut gefallen.

Abschließend waren wir mal wieder in Ninas Restaurant und haben dort gegessen. Wenn also jemand mal nach Hue kommen sollte, dann würde ich unbedingt Ninas Restaurant als Anlaufstelle für gute Malzeiten und eine nette Unterhaltung ans Herz legen. Auch findet man hier Luc, mit dem man eine Mopedtour vereinbaren kann. (www.ninascafe.jimdo.com)

Das soll es erstmal wieder sein.

 

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