Mui Ne

oder

Chillen am Strand sowie Fahrradtour zum Fischerhafen

11. – 13. Oktober 2012

 

Mui Ne war in unserer ursprünglichen Planung nicht vorgesehen. Nachdem wir jedoch feststellten, dass der Bus nach Ho Chi Minh-Stadt eine Fahrtzeit von ca. 24h haben sollte, entschieden wir uns für ein Paar Tage einen Zwischenstopp in Mui Ne einzulegen. Unsere Wahl fiel auch deshalb auf Mui Ne, da Theresa und Jörg dort ebenfalls rasten und am Strand entspannen wollten.

Für die Fahrt in das ca. 750 km entfernte, verschlafene Fischerstädtchen standen uns entweder der Zug oder –wie auch schon von Hoi An nach Hue- der Nachbus zur Verfügung. Da wir erstens für den Zug ein Vielfaches des Geldes hätten ausgeben müssen als mit dem Nachtbus und zudem der Bus uns direkt vor unserem Hotel einsammelte (zum Zug hätten wir noch ein Taxi nehmen müssen), entschieden wir uns wieder für den Nachtbus.

Da wir (respektive ich) nicht so gute Erinnerungen an die erste Fahrt mit einem Nachtbus in Vietnam hatte(n), ging ich natürlich mit der Einstellung hinein, dass es eine nicht sehr entspannte Fahrt werden würde.

Aufgrund des Wissens, dass man, je weiter hinten man im Bus einen Platz bekommt, desto näher am Klo wäre, entschieden wir uns zu versuchen, Liegeflächen im vorderen Teil zu ergattern.

Ich belud mich also mit unseren großen Rucksäcken, um diese in der Seitenklappe des Busses zu verstauen und Susi fiel die Aufgabe zu, bepackt mit unseren kleinen Rucksäcken, Plätze im Bus zu reservieren. Es klappte auch alles wie am Schnürchen. Auch als ich im Bus Platz genommen hatte und meine Nase in den Wind hielt, konnte ich kein übles Odeur aus dem hinteren Teil unseres Gefährts erschnuppern. SUPI dachte ich bei mir und war guter Dinge, dass die Fahrt dieses Mal ein voller Erfolg –sprich erholsam und mit reichlich Schlaf gesegnet- werden würde. Doch dieses war eine KAPITALE Fehleinschätzung!!!

Denn kaum hatte sich der Bus in Bewegung gesetzt, erschnüffelte meine Nase einen Gestank, bei dem ich erst dachte, dass ich mich verrochen hätte.

Erst nach Rücksprache mit Theresa und Jörg, die ebenfalls diesen Geruch in ihren Riechzellen gespürt hatten, war ich mir sicher, dass jemand im Bus rauchen würde. Nein dachte ich bei mir, es kann keiner so unsozial sein und in einem Bus rauchen. Auch würden doch die Begleiter der Tour die Übeltäter kurzerhand vor die Tür setzen. Doch wenn die Übeltäter sowohl der Busfahrer als auch die beiden Tourbegleiter sind… Dieses ignorante Pack…  

Zuerst gab Jörg, der als erster gesehen hatte, dass sich einer der Guides eine Zigarette angezündet hatte, diesem per Zeichensprache zu verstehen, dass er es nicht in Ordnung fand, dass dieser im Bus rauchte. Daraufhin erntete er allerdings von diesem nur ein mildes Lächeln. Auch mein lautstarkes Mokieren über die Stinker kurze Zeit später verpuffte folgenlos.

Somit hatten wir uns damit zu arrangieren und die Luftverpestung in Kauf zu nehmen, denn natürlich hatten wir keine Lust, selbst vor die Tür gesetzt zu werden und unser Ziel nicht wie vorgesehen erreichen zu können. Wenn ich dachte, dass der Fahrer des letzten Nachtbusses schon ein rücksichtsloser und rasanter Fahrer war, dann toppte dieser Busfahrer den vorherigen um Längen. Diesen als Pistensau zu titulieren würde jede Pistensau beleidigen. Es wurde durch Löcher, über Huckel und über Fräßkanten gebrettert, als wenn es die schönste und neueste Asphaltstrecke sei.

Wenn ich zwei Sachen mit Sicherheit sagen kann, dann, dass zum einen das Auto nicht dem Fahrer gehörte und zum anderen, dass ihm der Verschleiß der Stoßdämpfer, sofern noch etwas von der Dämpfung derselbigen vorhanden war sch…egal war.

Zum Glück hatten wir nach ca. 11-stündiger Fahrtzeit gesund Nah Trang erreicht und konnten dort den Bus verlassen. Nach ca. 3h Aufenthalt (angegeben wurde uns eine Stunde, dort angekommen hieß es 2 h) wurden wir dann von einem anderen Bus –und einem anderen Busfahrer- abgeholt und nach insgesamt ca. 16 h Busfahrt hatten wir endlich unser Ziel -Mui Ne- erreicht.

Hier bezogen wir ein schnuckeliges, direkt am Meer gelegenes kleines Guesthouse und verbrachten den Rest des Tages am Strand und ließen den Herrgott einen guten Mann sein.

 

Am folgenden Tag namen Susi und ich uns vor, entweder Fahrräder oder Mopeds auszuleihen und zum Fischerhafen zu fahren. Gesagt, getan, entschieden wir uns für die sportlichere Variante und mieteten kurzerhand zwei schicke Drahtesel. Der Besitzer dieser hochmodernen Fahrräder (siehe Bilder) stellte uns noch netterweise die Sättel höher. Allerdings ergab sich hierbei ein uns alt bekanntes Problem. Wie wir schon in unserer vergangenen Urlaubszeit in Vietnam, mussten wir wieder feststellen, dass die Gebrauchsgegenstände -in diesem Fall die Fahrräder- für den gemeinen Vietnamesen und leider somit nicht für den normal gewachsenen Mitteleuropäer konzipiert sind. Somit saßen wir –ich mehr als Susi- auf unseren fahrbaren Untersätzen und kamen uns vor wie die altbekannten Affen auf dem Schleifstein. Zudem hatte der Vermieter die Fahrräder zusätzlich mit einer für Rennräder hergestellten Luftpumpe mit ca. 8 bar (also den gängigen Reifendruck für eben solche Rennräder) aufgepumpt, so dass uns jede Bodenwellen und jedes Loch –und hiervon gab es VIELE!!!- in den Rücken schlug.

Aber Susi und ich sind ja keine Weicheier, so dass wir die Strecke von ca. 7 km Länge zum Fischerhafen mit Bravour meisterten. Das Spektakulärste an dem Fischerhafen war allerdings der Dreck, sowie die immense Anzahl der Schiffe, die dort vor Anker lagen. Allerdings sind wir uns bis zum heutigen Tage noch nicht ganz sicher, ob es sich tatsächlich um den Fischerhafen gehandelt hat, da er so wenig von einem ebensolchen hatte. Auch haben wir dort nicht wie gehofft ein Restaurant gefunden, um dort frischen Fisch zu essen. Dafür ließen wir uns an einem Straßenimbiss nieder (mit kleinen roten Plastikstühlen und einem kleinen Metalltischchen) und haben dort ein Menu zu uns genommen. Das Essen war wirklich lecker!

Nachdem wir uns gestärkt hatten, fuhren wir wieder in unser kleines Resort und genossen die Seeluft.

Für den Abend hatten wir uns dann mit Theresa und Jörg verabredet, um in ein vom Lonely Planet empfohlenes Restaurant zu gehen. Wir machten uns um 18.30 Uhr auf den Weg und suchten unsere Essgelegenheit. Dass es ein Fußweg von ca. 45 min werden sollte, war uns vorher nicht klar, aber was nimmt man nicht alles für ein gutes Mahl in Kauf.

Nach diesem Spaziergang setzten wir uns glücklich in ein sehr gut gefülltes Restaurant und studierten die Karte. Vom Lonely Planet angepriesen, bestellten wir dann auch alle Gerichte mit frischem Fisch oder frischen Meeresfrüchten. Kurz bevor wir unserem Kellner unsere komplette Bestellung aufgegeben hatten, gab es einen kurzen und heftigen Austausch von Nettigkeiten zwischen unserem Kellner und einer Kellnerin, bevor uns unser Kellner darüber aufklärte, dass der Fisch just in diesem Moment ausgegangen sei.

Die Uhr zeigte 19.30 Uhr!!! Bevor wir uns aber groß echauffierten, bestellten wir kurzerhand andere Gerichte. Wir waren also das gute Beispiel guten Benehmens. Anders verhielt sich das deutsche Paar mittleren Alters an einem der Nebentische. Der Herr begann sich lautstark zu erregen, dass es nicht sein kann, dass der Fisch just in dem Moment der Bestellung ausgegangen sei und bestand auf seine Wahl.

Interessanterweise bekam er wohl auch sein Menu. Jedoch muss für ihn trotz alledem noch etwas zu bemängeln gewesen sein (man hörte nur ein "vor nicht allzu langer Zeit war das Restaurant so super, die Kellner so nett und aufmerksam und das Essen so lecker"), denn kurz vor Beendigung seines Essens standen er und seine Lebensabschnittsgefährtin auf, gingen mit dem zum Teil vertilgten Fisch Richtung Ausgang, diskutierten hier zum wiederholten Mal lebhaft und lautstark (allerdings leider außerhalb unserer Hörweite) und verließen erbost das Strandlokal. Uns hat das Essen, trotzdem wir nicht das bekommen haben, was wir ursprünglich wollten, gemundet. Gesättigt traten wir anschließend den Verdauungsspaziergang gen Hotel wieder an.  

 

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